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ROG Rundbrief
Nr. 6, August 1995

ROG

Togo:

Ende einer Odyssee

Am 14. Juni landeten die drei ehemaligen Redakteure des oppositionsnahen, toglesischen "Lettre des Tschaoudjo", Ali Akondo, Bourai Toure und Katakpaou Toure Youssif, in Bremen. Durch ihre Arbeit waren sie Verfolgung, Verhaftung und Mordanschlägen durch das Regime von General Eyadema ausgesetzt. Wie alle "freien" Medien in Togo mußten auch diese Kollegen ihre Zeitung im Untergrund produzieren. Die Arbeit wurde immer gefährlicher für sie, und sie glaubten, durch Flucht ins benachbarte Benin entkommen zu können. Ein Trugschluß.

Auch dort waren die Handlanger Eyadamas mit Bombenanschlägen auf Flüchtlingscamps und Entführungen togolesischer Oppositioneller aktiv. Nur durch den ständigen Wechsel ihres Aufenthaltsorts entkamen sie diesem Terror und verhinderten die zusätzliche Gefährdung ihrer Helfer vor Ort. "Die Angst, kaltblütig abgeknallt zu werden, bestimmte unser Leben."

Zu dieser Zeit war es ihnen noch möglich, sich Tickets für einen Flug nach Deutschland zu besorgen, außer Katakaou Toure Youssif, dessen Paß abgelaufen war. In Deutschland wollten sie zum früheren Chefredakteur ihrer Zeitung, Moudassirou Katakpaou Toure, der hier als politisch Verfolgter anerkannt und asylberechtigt ist. So starteten sie am 6. Oktober 94 in Cotonou (Benin) via Moskau und landeten am 7. Oktober in Hamburg. In Ihrer Maschine befand sich auch eine Gruppe junger Ghanaer, die vom Bundesgrenzschutz am Flughafen abgewiesen wurden, ebenso auch Ali Akondo und Bourai Toure, die den Eindruck hatten, zu der ghanaischen Gruppe gerechnet zu werden. Ihre Versuche, dieses Mißverständnis zu klären, blieben erfolglos.

Wieder in Moskau, ermöglichte erst die Intervention einer Vertreterin des UNHCR, daß die beiden Journalisten nicht nach Togo zurückfliegen mußten, sondern "nur nach Cotonou. Mittellos im alten, gefährlichen Exil, schickten sie ihren Hilferuf an Moudassirou Katakpaou Toure in Deutschland. Dieser bat "Reporter ohne Grenzen" um Hilfe. Zusammen mit anderen Organisationen erreichte ROG, daß die drei Kollegen aus Togo mit einer auf zwei Jahre befristeten Aufenthaltsgenehmigung in Bremen leben können. Vorübergehend auf einem Wohnschiff, doch mit Aussicht auf eine reguläre Wohnung. Versorgt und betreut werden sie durch organisierte togolesische Landsleute; das Land Bremen leistet finanzielle Unterstützung. In Kürze wollen die drei Kollegen ihren Antrag auf Asyl stellen, verbunden mit der Anerkennung als politisch Verfolgte.

Der Umgang mit Menschenrechten in Togo und die Auswirkungen des Eyadema-Regimes auf dieses Land wird seit Jahren im Jahresbericht von "Amnesty International" dokumentiert, aber auch in anderer Literatur, nicht zuletzt im Report 95 der "Reporter ohne Grenzen". Allein in Ghana und Benin wurden 1994 über 250.000 Flüchtlinge aus Togo gezählt. Viele Tausend Togolesen suchen auch im entfernten Ausland Schutz.

Frank Uckermann

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