ROG AktuellROG Homepage
ArchivIndexVolltextsuche

Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen / Fondation de France
Die Preisträger

Alljährlich zum 10. Dezember, dem "Internationalen Tag der Menschenrechte" verleihen Reporter ohne Grenzen/Fondation de France einen mit 50.000 Francs (rund 16.000 DM) dotierten Menschenrechtspreis an mutige Journalistinnen und Journalisten, die - oft unter besonders schwierigen Bedingungen - durch ihre journalistische Arbeit, ihre Veröffentlichungen oder ihr Auftreten großes Engagement für die Informations- und Pressefreiheit unter Beweis gestellt haben. Der Preis wird von einer international besetzten Jury vergeben.

2000: Carmen Gurruchaga (Spanien)

1999: Daw San San Nweh (Birma)

1998: Nizar Nayouf (Syrien)

erhielt der syrische Journalist Nizar Nayouf den Preis. Der ehemalige Chefredakteur der monatlich erscheinenden Stimme der Demokratie und Mitarbeiter der Wochenzeitung Al-Hurriya sowie des Literaturmagazins Al-Thaqafa al-Ma'arifa wurde am 17. März 1992 von einem Militärgericht zu zehn Jahren Haft mit Entzug der Bürgerrechte verurteilt, weil er Flugblätter für das Komitee zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten in Syrien CDF redigiert hatte. Diese syrische Menschenrechtsorganisation wird seitens des Staates als "terroristische Vereinigung" verfolgt. Als Folge von Folter und menschenunwürdigen Haftbedingungen ist er schwer krank; die Militärs haben eine medizinische Behandlung davon abhängig gemacht, daß Nayouf ein Schreiben unterzeichnet, in dem er seine Aussagen zur Situation der Menschenrechte in Syrien widerruft.

1997: Raúl Rivero (Kuba)

würdigte die Jury den kubanischen Journalisten Raúl Rivero, Gründer der Presseagentur Cuba Press, der sich auch als Schriftsteller einen Namen gemacht hat. Heute ist er einer der führenden Köpfe der unabhängigen Presse in seinem Land. 1989 trat er aus dem kubanischen Schriftstellerverband aus, zwei Jahre später unterzeichnete er einen Brief von zehn Intellektuellen, die von Staatschef Fidel Castro die Freilassung politischer Gefangener forderten. Als einziger der Unterzeichner lebt Rivero noch heute in Kuba. Trotz etlicher Festnahmen, Schikanen und Drohungen von seiten des Staatssicherheitsdienstes ist er entschlossen, die Insel nicht zu verlassen. Der kubanische Schriftsteller Eduardo Manet hat in Paris den Preis in seinem Namen entgegengenommen: "Wenn er sein Land verläßt, könnte er nicht mehr zurückgehen."

1996: Isik Yurtçu (Türkei)

wurde der Preis dem türkischen Journalisten Isik Yurtçu zuerkannt. Yurtçu, der für seine regierungskritischen Veröffentlichungen sowohl vor wie nach dem Militärputsch 1980 verfolgt und verhaftet worden war, übernahm im Juni 1992 die Leitung der prokurdischen Tageszeitung Özgür Gündem. Acht Monate später trat er zurück: Nicht weniger als 26 Verfahren waren gegen ihn eröffnet worden. Am 28. Dezember 1994 wurde er unter anderem wegen "separatistischer Propaganda" zu 14 Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Der Preis wurde an die Korrespondentin von Reporter ohne Grenzen in der Türkei, Nadire Mater, übergeben, die ihn dem Journalisten später im Gefängnis überbrachte. Im Rahmen einer Amnestie wurde Isik Yurtçu am 15. August 1997 freigelassen.

1995: Christine Anyanwu (Nigeria)

ging der Menschenrechtspreis an die nigerianische Journalistin Christine Anyanwu, Herausgeberin und Chefredakteurin der Wochenzeitschrift The Sunday Magazine. Am 31. März 1995 wurde sie verhaftet. Ihr "Verbrechen" hatte darin bestanden, die Namen von 19 Personen abzudrucken, die wegen Beteiligung an einem angeblichen Putschversuch verhaftet worden waren. Diese angebliche Konspiration diente dem Militärregime unter General Sani Abacha als Vorwand, um eine kritische und mit internationalen Preisen ausgezeichnete Journalistin mundtot zu machen: Sie wurde wegen "Aufstands" zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Für sie nahm der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka die Auszeichnung entgegen. Nach dem Tod Abachas wurde die Journalistin am 16. Juni 1998 freigelassen.

1994: André Sibomana (Ruanda)

würdigte die Jury den ruandischen Journalisten André Sibomana, Chefredakteur der zweimal monatlich erscheinenden katholischen Zeitung Kinyamateka. Der überzeugte Christ stellte sich mit seinem Blatt gegen die rassistische Propaganda der staatlichen Medien. Die Jury erinnerte damit auch an die 48 ruandischen Journalistinnen und Journalisten, die bei den Massakern ermordet worden waren. Sibomana nutzte den Preis, um den Wiederaufbau der während des Völkermordes 1994 weitgehend zerstörten Redaktionsbüros zu finanzieren. Im Oktober 1997 stellte er seine Arbeit bei Kinyamateka, der letzten unabhängigen Zeitung Ruandas, ein. Sibomana, auch Präsident des ruandischen Journalistenverbandes und Mitbegründer der Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte ADL, starb am 9. März 1998 nach langer Krankheit im Alter von 43 Jahren.

1993: Wang Juntao (China)

1993 wurde der Preis dem Chinesen Wang Juntao, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, zugesprochen. Er hatte aktiv an der Demokratiebewegung teilgenommen und wurde 1989 verhaftet. Die Zeitung wurde verboten. Im Februar 1991 machte man ihm den Prozeß wegen "konterrevolutionärer Verbrechen"; das Urteil lautete auf 13 Jahre Haft. Auch Chen Ziming, der Direktor des Blattes, wurde zu 13 Jahren verurteilt - die schwersten Strafen, die im Rahmen der Prozesse gegen die Dissidenten des "Pekinger Frühlings" gegenüber Journalisten ausgesprochen wurden. Wang und Chen unternahmen im August 1991 den ersten Hungerstreik gegen die extrem schlechten Haftbedingungen; Wangs Ehefrau richtete einen entsprechenden Appell an die Vereinten Nationen. An der Verleihung des Menschenrechtspreises nahm seine Frau an seiner statt teil. Seit seiner Freilassung im April 1994 lebt Wang Juntao im Exil in Washington.

1992: Zlatko Dizdarevic (Bosnien)

entschied sich die Jury für den Journalisten Zlatko Dizdarevic, Redakteur der Tageszeitung Oslobodenje in Sarajevo, als ersten Preisträger des neu geschaffenen Menschenrechtspreises. Er war maßgeblich an der politischen Öffnung der Zeitung beteiligt, die als einzige mit Redakteurinnen und Redakteuren verschiedener ethnischer Gruppen auch während des Krieges produzierte. Dizdarevic erlebte mit seinen Kollegen den Belagerungszustand in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo und sicherte den Fortbestand des Blattes. Da der Journalist in der Stadt festgehalten wurde, seine Ehefrau jedoch ausreisen konnte, wurde der Preis an sie ausgehändigt. Heute ist Zlatko Dizdarevic Chefredakteur der Wochenzeitschrift Svijet in Sarajevo.

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ Homepage | Aktuell | Archiv | Volltextsuche ]

© Reporter ohne Grenzen
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/