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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 2.1.2002

31 Journalisten starben im Jahr 2001 in Ausübung ihres Berufes

Im Jahr 2001 wurden nach Recherchen von Reporter ohne Grenzen mindestens 31 Journalistinnen und Journalisten ermordet. 716 Reporter wurden wegen ihrer Berichterstattung bedroht, angegriffen oder entführt. Mindestens 489 wurden wegen ihrer Arbeit festgenommen, verhört oder zeitweilig inhaftiert. Zurzeit befinden sich 110 Journalisten in Haft. Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Ländern ohne Pressefreiheit.

31 Journalisten ermordet, allein acht in Afghanistan

Seit Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan zählt das Land zu den gefährlichsten Einsatzgebieten für Berichterstatter. Allein im November 2001 kamen dort acht Reporter ums Leben.

In Kolumbien wurden drei Journalisten unter Beteiligung von Paramilitärs ermordet. Unter ihnen auch Flavio Bedoya, Mitarbeiter der Wochenzeitung Voz, der am 27. April erschossen wurde. Nachdem er in einem Artikel die „Unfähigkeit" der Armee und der Polizei kritisierte, die Paramilitärs wegen ihrer Verbrechen festzunehmen, erhielt er Morddrohungen. Reporter ohne Grenzen hat die Bilanz noch nicht abgeschlossen und untersucht weitere Todesfälle von Reportern, die im Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung stehen könnten.

Birma, China, Iran, Eritrea und Nepal halten die meisten Journalisten fest Insgesamt 110 Journalisten sind zurzeit in Haft. Davon halten allein fünf Länder mehr als die Hälfte fest: Birma (18), Iran (18), China (12), Eritrea (8) und Nepal (7).

Die Haftbedingungen sind in fast allen Ländern schlecht. Unzureichende Ernährung, mangelnde medizinische Versorgung, Überfüllung der Zellen und die hygienischen Verhältnisse führen zu schweren gesundheitlichen Schäden und psychischen Erkankungen der Gefangenen. Myo Myint Nyein ist seit September 1990 in Birma im Gefängnis. Die Folgen der Haft haben ihn gesundheitlich stark geschwächt und psychisch krank gemacht. Man hält ihn seit acht Monaten in einem Hundezwinger.

Vorübergehend festgehalten, verhört oder entführt wurden 489 Journalistinnen und Journalisten. Besonders in der Demokratischen Republik Kongo, in Kuba, Pakistan und Zimbabwe nehmen staatliche Sicherheitskräfte Reporter oft ohne Begründung in Gewahrsam und lassen sie nach einigen Stunden oder Tagen wieder frei. Manchmal allerdings müssen sie Wochen oder Monate warten, um auf freien Fuß zu kommen.

Jeden Tag ein Erscheinungsverbot in Kraft getreten Im vergangenen Jahr sind 378 mal Medien mit Erscheinungsverbot belegt worden. Allein in der Türkei stellten die staatliche Aufsichtsbehörde und die Gerichte mehr als 100 Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften zeitweilig ein. In den meisten Fällen wurden die Medien nach Kritik an der Regierung oder Beiträgen über links-extreme Bewegungen wegen „Aufruf zur Gewalt" oder „Bedrohung der Staatssicherheit"eingestellt.

Folgen des 11. September für die Pressefreiheit Zahlreiche Anti-Terror-Gesetze sind nach dem 11. September verabschiedet worden, die die Pressefreiheit einschränken könnten. In Kanada und den USA ist der Quellenschutz bedroht und die Kontrolle des Internets verstärkt worden.

In Kasakhstan stehen alle strategischen Einrichtungen unter Beobachtung des Innenministers. Im November besetzten dessen Truppen das Gebäude des privaten Fernsehsenders KTK und unterbrachen zeitweilig die Ausstrahlung des Programms.

Zur Situation der Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen zieht Bilanz:

Im Jahr 2001

Ermordete Journalisten 31
Bedrohungen, Übergriffe, Entführungen 716
Festnahme, Verhör, zeitweilige Inhaftierung 489
Erscheinungsverbote 378
Inhaftierte Journalisten 110
Vergleich zum Jahr 2000
Ermordete Journalisten 32
Bedrohungen, Übergriffe, Entführungen 510
Festnahme, Verhör, zeitweilige Inhaftierung 329
Erscheinungsverbote 295
Inhaftierte Journalisten 68

Reporter ohne Grenzen ist eine internationale gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, die sich für die Verteidigung der Pressefreiheit einsetzt. Neben der deutschen Sektion und dem Internationalen Sekretariat in Paris, gibt es Sektionen in acht europäischen Ländern sowie Büros in Abidjan, Bangkok, Montreal, Moskau Tokio und Washington.

 

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

 

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Fax: 49 - 30 - 614 34 63

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