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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 29. November 2001

Menschenrechtspreis 2001/Iran:

Inhaftierter iranischer Journalist Reza Alijani erhält Menschenrechtspreis 2001 von Reporter ohne Grenzen

Am 28. November hat Reporter ohne Grenzen in Paris ihren Menschenrechtspreis an den iranischen Journalisten Reza Alijani verliehen. Der Chefredakteur der verbotenen iranischen Monatszeitung Iran-e-Farda befindet sich seit Februar 2001 in Haft. Den Preis nahm der iranische Journalist Kazem Kardavani stellvertretend in Empfang. Der Preis ist mit 15.000 DM dotiert.

Reza Alijani (39) wurde 1992 Redakteur bei Iran-e-Farda, später deren Chefredakteur. Unter seiner Federführung entwickelte sich das Blatt zu einem Sprachrohr der Reformbewegung und fand unter Studenten eine breite Anhängerschaft. Doch dann wurde Alijani immer häufiger vor Revolutionsgerichte geladen - aufgrund seiner Artikel, in denen er sich für Meinungsfreiheit aussprach. Im Januar 1999 erhielt er Todesdrohungen. Dennoch ließ er sich nicht einschüchtern. Einige Monate später sprach er in einem Interview mit der iranischen Tageszeitung Arya über die Morde an tausenden von Gefangenen durch die iranischen Behörden 1989.

Im Februar 2001 wurde Alijani von Geheimdienstagenten verhaftet, zehn Monate nach dem Verbot von Iran-e-Farda. Es gibt noch keine offizielle Anklage gegen ihn. Sein Anwalt erhält weder Zugang zu ihm noch zu den Prozessakten. Alijanis Frau durfte ihn nur ein einziges Mal besuchen. Das Paar hat zwei Kinder.

Mit 17 inhaftierten Journalisten ist Iran das größte Gefängnis für Reporter im mittleren Osten. Seit Anfang 2000 geriet die reformistische Presse zunehmend unter Druck. Im April 2000 verabschiedete das iranische Parlament ein neues Pressegesetz, das die Strafen für sogenannte Pressevergehen erheblich verschärfte. Seitdem wurden mehr als 40 Zeitungen eingestellt und dutzende Journalisten verhaftet.

Viele Iraner nutzen Satellitenfernsehen und das Internet, um den beschränkten Zugang zu Information im Land zu umgehen. Im Mai 2001 schlossen die Behörden 400 Internetcafés in Teheran. Im Oktober wurden 1000 Satellitenschüsseln - die eigentlich verboten sind - beschlagnahmt. Im November wurde ein Dekret erlassen, das private Internet-Provider verbietet.

Reporter ohne Grenzen zählt den Religionsführer Ali Khamenei zu den größten Feinden der Pressefreiheit

Der Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen Eine internationale Jury verleiht den Preis seit 1992 an Journalistinnen und Journalisten, die sich in besonderer Weise um die Pressefreiheit in ihrem Land verdient gemacht haben. Der Jury gehören 30 Mitglieder aus 21 Ländern an, darunter aus Deutschland: Manfred Bissinger, Sabine Christiansen und Michael Rediske.

Den Preis stiftet die Fondation de France, eine private gemeinnützige Institution. Sie wurde 1969 von General de Gaulle und André Malraux ins Leben gerufen.

Reporter ohne Grenzen ist eine internationale gemeinnützige Menschenrechtsorganisation. Sie verteidigt das Recht zu informieren und informiert zu werden und setzt sich für verfolgte Journalistinnen und Journalisten ein.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

 

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Skalitzer Straße 101,
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Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

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