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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 20. November 2001

Afghanistan:

Vier Journalisten auf dem Weg nach Kabul getötet

Reporter ohne Grenzen, internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, ist bestürzt über den Tod von Harry Burton (33), australischer Kameramann von Reuters Video News, Maria Grazia Cutuli (39), Korrespondentin der italienischen Tageszeitung Corriere della Serra, Julio Fuentes (46), Mitarbeiter der spanischen Tageszeitung El Mundo, und Azizullah Haidari (33), afghanischer Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters.

Reporter ohne Grenzen macht darauf aufmerksam, dass Journalisten große Risiken auf sich nehmen, um über die Situation in Afghanistan zu berichten. Wir empfehlen Berichterstattern vor Ort, sich nur mit bewaffnetem Begleitschutz außerhalb der von den Mudschaheddin oder der Nordallianz kontrollierten Ortschaften zu bewegen.

Nach Augenzeugenberichten verließen die vier Journalisten Dschalalabad am Vormittag des 19. November in einem Konvoi von acht Fahrzeugen. In der Nähe von Puli-es-te-Kam (90 km östlich von Kabul) blockierten sechs bewaffnete Männer den Konvoi. Sie forderten die Insassen der ersten beiden Autos auf, die Fahrzeuge zu verlassen. Sie beschuldigten die Reporter, Amerikaner zu sein. Diese entgegneten, sie seien europäische Journalisten auf dem Weg nach Kabul. Die Angreifer forderten die Journalisten auf, einen Hügel zu erklimmen. Als die Journalisten sich weigerten, wurden sie geschlagen und mit Steinen beworfen. Die Männer sagten "Sie glauben, die Taliban sind besiegt? Wir sind immer noch an der Macht und werden uns rächen." Zuerst erschossen sie Maria Grazia Cutuli, kurz darauf Harry Burton, Julio Fuentes und Azizullah Haidari. Die Fahrer und Dolmetscher konnten entkommen. Sechs Fahrzeuge - ebenfalls von Journalisten besetzt - kehrten nach Dschalalabad zurück. Am späten Abend barg eine Gruppe von Mudschaheddin die Leichen.

Puli-es-te-Kam liegt in der Provinz Kabul, die von der Nordallianz kontolliert wird. In der Gegend sollen sich viele Banditen aufhalten. Am 18. November wurden drei Journalisten von Radio France Internationale auf der gleichen Strecke überfallen. Auch philippinische Journalisten wurden auf dem Weg nach Kabul ausgeraubt. Daher gehen Kommandanten der Nordallianz in Dschalalabad davon aus, dass die Mörder keine Taliban sind, sondern nur die Verantwortung auf die Taliban abschieben wollen.

Erst vor einer Woche, am 11. November, wurden die Journalisten Pierre Billaud, Volker Handloik und Johanne Sutton getötet, als sie in einen Hinterhalt der Taliban gerieten.

Seit Anfang des Jahres 2001 sind 24 Journalistinnen und Journalisten in Ausübung ihres Berufes ermordet worden. In den letzten 15 Jahren kamen 770 Reporter ums Leben.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

 

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Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

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