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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 21.8.2001

Brasilien:

Attentat auf Journalist in Rio de Janeiro

In einem Brief an den Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro äußerte
Reporter ohne Grenzen tiefe Bestürzung über die Ermordung von Mario Coelho
de Almeida Filho, Chefredakteur der dreiwöchentlich erscheinenden Zeitung A
Verdade. Nur gründliche Ermittlungen und die Bestrafung der Täter können
weitere Attentate verhindern, erklärte Robert Ménard, Generalsekretär der
internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit.

Mario Coelho de Almeida Filho wurde am 16. August 2001 vor seinem Haus in
Magé (50 Kilometer von Rio de Janeiro) erschossen. Die Polizei geht davon
aus, dass der Täter ein bezahlter Killer ist. Nach Zeugenaussagen wurde der
Mörder in den Tagen vor dem Attentat dreimal in einer Bar in der Nähe der
Wohnung des Journalisten gesehen.

Das Attentat wurde einen Tag vor der Aussage von Mario Coelho de Almeida
Filho in einem Diffamierungsprozess verübt. Dieses Verfahren war vom
Bürgermeister des Städtchens Duque de Caxias, José Camilo Zito dos Santos,
und seiner Frau, Narriman Zito, Bürgermeisterin des Städtchens Magé, gegen
ihn angestrebt worden, weil der Journalist über Unterschlagung von Geldern
in den beiden Gemeinden berichtet hatte.

Zwei Wochen vor dem Mord hat nach Aussage eines Freundes eine Firma, die
mit dem Bürgermeister von Duque de Caxias zusammenarbeitet, Coelho de
Almeida Filho Geld angeboten, um ihn zum Schweigen zu bringen.
Die Zeitung A Verdade prangert immer wieder den Machtmissbrauch durch
Lokalpolitiker an. Acht Anklagen wegen Diffamierung waren gegen den
Journalisten deshalb anhängig. Nach Angaben seines Vaters hatte er zudem
drei Monate vor dem Anschlag Morddrohungen erhalten.
Seit 1991 wurden 13 Journalisten in Brasilien ermordet.

Das letzte Opfer war der Radiojournalist José Wellington Fernandes, unter
dem Namen Zezinho Cazuza bekannt. Der Mitarbeiter des Senders Xingó FM in
Canindé do São Francisco (Bundesstaat Sergipe) starb am 13. März 2000: Er
wurde erschossen, als er eine Feier verließ. Zwei Tage später fasste die
Polizei José Ferreira Melo. Dieser gestand den Mord und sagte weiterhin
aus, der Bürgermeister der Stadt, Genivaldo Galindo da Silva, habe ihm
3.500 DM für den Mord angeboten. Der Journalist hatte den Bürgermeister
mehrmals der Korruption bezichtigt. Einige Tage vor dem Attentat erklärte
der Bürgermeister öffentlich, er werde den Journalisten umbringen.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (0049 30) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

 

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