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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 27.07.2001

Georgien:

Prominenter georgischer Fernsehmoderator mit Kopfschuss ermordet

Reporter ohne Grenzen hat heute in einem Brief an den georgischen Präsidenten, Eduard Schewardnadse, tiefe Bestürzung über die Ermordung des Fernsehmoderators Georgij Sanaja geäußert. Die internationale Organisation fordert den Präsidenten auf "persönlich dafür Sorge zu tragen, dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Schuldigen zu identifizieren und vor Gericht zu stellen".

Der georgische Fernsehmoderator Georgij Sanaja war gestern Morgen (26. Juli) tot in seiner Wohnung in Tbilissi aufgefunden worden: Man hatte ihn mit einem Schuss in den Kopf ermordet.

Sanaja war einer der bekanntesten jungen Fernsehjournalisten des Landes. Er moderierte bei dem privaten Fernsehkanal Rustavi 2 Nachrichtensendungen sowie den „Abendkurier", eine tägliche Politiksendung mit Analysen und Interviews mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Reporter ohne Grenzen, internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit und zum Schutz von Journalisten, stellt fest: "Die Todesdrohungen des vergangenen Jahres gegenüber Journalisten von Rustavi 2, die politische Sendungen machten und zu Korruptionsaffären recherchierten, wurden jetzt wahr gemacht. Wir sind davon überzeugt, dass man gezielt Rustavi 2 und seine politischen Sendungen zum Schweigen bringen will, indem man einen seiner bekanntesten Köpfe eliminiert", so Robert Ménard, Generalsekretär der Organisation in Paris.

Die Organisation erwartet in kürzester Zeit Ergebnisse der Emittlungskommission, die Schewardnadse im Fernsehen angekündigt hat: Er werde Staatsanwaltschaft, Innenministerium und Sicherheitskräfte anweisen, nach den Verantwortlichen für den Mord zu fahnden.Reporter ohne Grenzen erinnert an folgende Vorfälle im Jahr 2000: Der Journalist Akai Gogischaischwili, Moderator der wöchentlich ausgestrahlten Sendung „60 Minuten" bei Rustavi 2, wurde mehrfach von Funktionären und Geschäftsleuten mit dem Tode bedroht. Er recherchierte damals über Korruptionsverdacht bei hohen Staatsbeamten. Am 19. Mai machte er öffentlich, man habe ihm nahe gelegt, aus dem Land zu verschwinden.

Am 16. Oktober fand man die Leiche von Antonio Russo auf einer Straße im Nordosten der georgischen Hauptstadt. Der italienische Journalist, der für den Sender der Radikalen Partei Italiens, Radio Radicale, arbeitete, war seit Februar 2000 im Kaukausus, um über den Tschetschenien-Krieg zu berichten. Er wollte mit den dort gemachten Aufnahmen nach Italien zurückkehren.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

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