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PRESSEMITTEILUNG Berlin, 11.07.2001

Costa Rica:

Gefeierter Radiomoderator ermordet

In einem Brief an den Präsidenten von Costa Rica, Miguel Ángel Rodríguez, zeigt sich Reporter ohne Grenzen, entsetzt über die Ermordung von Parmedio Medina, einem der bekanntesten Radiomoderatoren des Landes. Die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit fordert, dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Täter zu ermitteln.

Parmedio Medina wurde am 7. Juli gegen 16.30 Uhr in der Nähe seines Wohnhauses durch mehrere Schüsse in Gesicht und Oberkörper ermordet. Der unbekannte Attentäter entkam in einem Auto, wo Komplizen auf ihn warteten. Der Radiomoderator war auf dem Nachhauseweg des in der Hauptstadt San José angesiedelten Radio Monumental, wo er seine satirische Sendung "La Patada" (Der Fußtritt) aufgezeichnet hatte.

Parmedio Medina, gebürtiger Kolumbianer, lebte seit 32 Jahren in Costa Rica und moderierte „La Patada" seit 28 Jahren. Seine Ermordung rief Bestürzung in der Bevölkerung hervor. Staatspräsident Rodríguez bat um Unterstützung durch die kolumbianischen Behörden: Es gibt Vermutungen, dass Auftragsmörder aus Kolumbien in die Tat verwickelt sind. Am 8 Juli demonstrierten in San José mehrere Tausend Menschen gegen den Attentat.

Hintergrund:

Im Oktober 1999 prangerte Parmedio Medina Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung des katholischen Senders Radio María de Guadelupe an. Ein Jahr später behauptete er, er hätte den Priester Mínor Calvo, Gründer des katholischen Senders, zusammen mit einem jungen Mann in einem Park, einem bekannten Homosexuellen-Treffpunkt, gesehen. Nachdem der Journalist weitere Enthüllungen über den Priester veröffentlichte, erhielt er im Mai 2001 anonyme Drohungen; am 9. Mai wurde auf sein Haus geschossen. Er erhielt daraufhin Polizeischutz, der aber auf seinen Wunsch hin eingestellt wurde.

Die Androhung des Priesters Calvo, Radio Monumental zu verklagen, veranlasste die Leitung des Senders dazu, Medinas Sendung nicht mehr auszustrahlen. Medina legte Beschwerde gegen diese Zensur ein; das Gericht gab ihm Recht und verfügte, dass „La Patada" wieder gesendet werden müsse.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

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