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Gemeinsame Pressemitteilung von Reporter ohne Grenzen und der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte Berlin, 6.7.2001

Tadschikistan/Moskau:

Gast der Stadt Hamburg, Dododjon Atovulloev, in Moskau verhaftet

Bei Auslieferung an Tadschikistan ist sein Leben in Gefahr Reporter ohne Grenzen und die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte protestieren gegen die Verhaftung des tadschikischen Journalisten Dododjon Atovulloev und verlangen seine sofortige Freilassung. Der Journalist darf nicht an Tadschikistan ausgeliefert werden, muss Russland ungehindert verlassen und nach Deutschland zurückkehren können.

Dododjon Atovulloev, gemeinsamer Gast von Reporter ohne Grenzen und der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte seit Mai 2001, ist gestern am Flughafen Moskau verhaftet worden. Nach den uns vorliegenden Informationen befindet er sich im Gewahrsam der Staatsanwaltschaft. Dododjon war auf dem Weg nach Taschkent (Usbekistan).

Die tadschikische Regierung fordert mit Nachdruck seine Auslieferung. Der stellvertretende tadschikische Geheimdienstchef befindet sich nach unseren Informationen derzeit ebenfalls in Moskau - es steht zu befürchten, dass Dododjon Atovulleov sofort ausgeliefert werden könnte. Bei Auslieferung an Tadschikistan ist das Leben des Journalisten in Gefahr. In Tadschikistan wollen ihn die Mächtigen zum Schweigen bringen, da er in der Vergangenheit immer wieder tadschikische Machthaber angeprangert hatte, die in Korruptionsaffären oder den Drogenhandel verstrickt sind oder bewaffnete islamische Freischärler in den Nachbarländern Kirgisien und Usbekistan unterstützen.

Hintergrund:

Die Hamburger Stiftung hatte mit ihrer Einladung umgehend auf einen dringenden Hilfsaufruf der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen und des Journalisten Thomas Roth (ARD-Moskau) reagiert. Dododjon Atovulloev gründete 1991 die erste private und freie demokratische Zeitung Tscharogi Rus (Tageslicht), die zur populärsten Tageszeitung Tadschikistans wurde. Während des fünfjährigen Bürgerkriegs (1992 - 1997) wurde die Zeitung zur wichtigsten Plattform der Exil-Opposition. Atovulloevs Name stand auf den Todeslisten der Umstürzler. Obwohl er an den UN-Friedensverhandlungen teilnahm, durfte die Zeitung nach dem Friedensschluss 1997 nicht wieder in Tadschikistan erscheinen.

Dododjon Atovulloev floh ins Moskauer Exil und gab Tscharogi Rus dort wieder heraus. Auch dort stand er im Visier tadschikischer Machthaber: Zu deutlich mahnt er die Beachtung der Menschenrechte und die Einhaltung demokratischer Regeln an, prangert die Machenschaften der Verantwortlichen in der Hauptstadt Duschanbe an.

Im April 2001 wurde Dododjon Atovulloev zum Sprecher der zentralasiatischen Opposition mit Sitz in London ernannt.

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de

Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
Tel. (040) 428 63 - 57 57
kontakt@hamburger-stiftung.de

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

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