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Pressemitteilung Berlin, 7.5.2001

Syrien:

Journalist Nizar Nayyuf nach neun Jahren endlich aus dem Gefängnis entlassen

Unter Hausarrest setzt er seinen Hungerstreik fort

Reporter ohne Grenzen freut sich sehr über die Entlassung des syrischen Journalisten Nizar Nayyuf nach neun Jahren aus der Haft, bedauert aber, dass er unter Hausarrest steht. Nayyuf ist schwer krank und braucht dringend gute ärztliche Versorgung.

Anfang des Jahres hatte die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit eine europaweite Brief-Kampagne für die Freilassung des Journalisten gestartet, an der sich zahlreiche Medien und Journalistenvereinigungen beteiligten.

Nach Auskunft seiner Familie wurde Nizar Nayyuf am Abend des 6. Mai 2001 aus der Haft entlassen. Polizisten brachten ihn in sein Haus in der Küstenstadt Latakia. Er wurde unter Hausarrest gestellt, darf das Land also nicht verlassen und steht unter permanenter Bewachung. Aus Protest gegen diese Maßnahmen setzt Nayyuf seinen Hungerstreik fort, den er am 24. April 2001 begonnen hatte.

Der Journalist ist sehr geschwächt; sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Während seiner Inhaftierung verweigerte man Nayyuf eine adäquate medizinische Versorgung, obwohl er krebskrank ist. Zudem leidet er unter den Folgen schwerer Misshandlungen. Wegen Folter auf dem sogenannten „deutschen Stuhl", bei dem die Wirbelsäule verletzt wird, ist Nizar Nayyuf teilweise gelähmt.

In einem Telefongespräch mit Reporter ohne Grenzen äußerte Nayyuf den Wunsch, Syrien zu verlassen: „Ich möchte in Frankreich oder Deutschland medizinisch versorgt werden", erklärte er.

Nizar Nayyuf, Mitarbeiter der Monatszeitung Sawt el Demokratia und der Zeitschrift Al-Huriyya et Al-Ma'arifa, wurde 1992 verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis sowie Entzug der bürgerlichen Rechte verurteilt.

Er hatte ein Papier der Menschenrechtsorganisation „Komitee zur Verteidigung der Demokratischen Freiheiten" veröffentlicht, in dem Menschenrechtsverletzungen während der Wahlen 1991 verurteilt wurden. Reporter ohne Grenzen zeichnete ihn 1998 mit ihrem Menschenrechtspreis aus.

Reporter ohne Grenzen weist darauf hin, dass ein weiterer Journalist noch immer inhaftiert ist. Wir verlangen die sofortige und bedingungslose Freilassung von 'Abdel Isma'il. Der Mitarbeiter der libanesischen Tageszeitung Al Raia ist seit 1996 inhaftiert und befindet sich im Gefängnis von Seydnaya. Er war wegen Mitgliedschaft in der verbotenen demokratischen Baas-Partei zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85
deutsch: www.reporter-ohne-grenzen.de
französisch / englisch / spanisch: www.rsf.fr

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