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Pressemitteilung Berlin, 24. April 2001

Bangladesh:

Ein Journalist ermordet, Beinamputation bei einem anderen nach Attentat

Kritische Journalisten zunehmend Zielscheibe politisch motivierter Gewalttäter

Reporter ohne Grenzen verzeichnete in den ersten vier Monaten 34 Überfälle

Seit Anfang dieses Jahres werden zunehmend mehr Journalisten, die über Korruption, politisch motivierte Gewalt und religiöse Intoleranz berichten, Opfer unglaublich brutaler Überfälle. Reporter ohne Grenzen, internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, hat in diesen ersten vier Monaten 34 Fälle verzeichnet, in denen Medienmitarbeiter angegriffen wurden. Die Tatsache, dass diese Anschläge nicht bestraft werden, schützt die Urheber und ihre Auftraggeber und führt zu immer neuen Gewaltakten gegen Journalistinnen und Journalisten.

Gestern, am 23. April, erlag der Journalist Naher Ali in einem Krankenhaus in Bangladesh seinen schweren Verletzungen. Todesursachen waren nach ärztlichen Angaben ein Schädelhirntrauma und innere Blutungen. Der Korrespondent der bengalischsprachigen lokalen Tageszeitung Dainik Anirban, die in Khulna (im Südosten des Landes) erscheint, war nach Aussage seiner Familie und der Polizei am 18. April in seinem Heimatort entführt worden. Zwei Tage später fand man ihn wenige Kilometer entfernt bewusstlos auf - mit offensichtlichen Folterspuren. Seine Mörder hatten ihn brutal zusammengeschlagen und ihm Arme und Beine gebrochen, um ihn dann sterbend irgendwo auszusetzen.

Am 22. April wurde dem Journalisten Prabir Shikder das rechte Bein amputiert. Drei Unbekannte hatten zwei Tage zuvor dem Korrespondenten der Dainik Janakantha in Faridpur (westlich der Hauptstadt Dhaka) aufgelauert, der mit dem Motorrad unterwegs war, und verfolgten ihn mit einem Lieferwagen. Sie bewarfen ihn mit Molotow-Cocktails und schossen dreimal auf ihn. Bevor sie unerkannt entkommen konnten, schlugen sie zudem mit Macheten auf ihn ein. Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass Shikders rechtes Bein auf Grund der schweren Schussverletzung nicht zu retten war.

Brief an den Innenminister

In einem Brief an den Innenminister von Bangladesh drückt Reporter ohne Grenzen tiefe Bestürzung über die jüngsten Attentate auf Journalisten aus. „Wir werten Ihren Besuch bei Prabir Shikder im Hospital als Geste der Sympathie und hoffen, dass dies zu gründlichen Ermittlungen führen wird, um die Angreifer und ihre Hintermänner zu identifizieren sowie ihre Motive herauszufinden", so Robert Ménard, Generalsekretär der Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit.

Reporter ohne Grenzen verurteilt, dass in Bangladesh Politiker Gewalt gegen Journalisten offensichtlich billigen und sogar öffentlich dazu aufrufen

Bereits im Februar dieses Jahres hatten maskierte Entführer dem Journalisten Tipu Sultan beide Arme und Beine gebrochen. Die notwendigen Operationen werden 80.000 DM kosten. Nach Zeugenaussagen sollen einige der Täter Anhänger des Abgeordneten der Regierungspartei der Awami-Liga, Jainal Hazari, gewesen sein. Hazari ist für seine aggressive Haltung gegenüber der Presse bekannt, er wurde einem Journalisten gegenüber sogar selbst schon handgreiflich.

Der Minister für Soziales, Azammel Hossein, rief im vergangenen Oktober die Anhänger seiner Partei unmissverständlich zu Gewalt gegen Journalisten auf: „Wo immer Sie Journalisten treffen - brechen Sie ihnen die Knochen!" Tags darauf wurde der Chefredakteur einer Tageszeitung, Anisur Rahim, angeschossen und verprügelt.

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