ROG AktuellROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsucheweiter

Pressemitteilung Berlin, Berlin, 13.9.2000

Kolumbien:

Erneut Journalist in Kolumbien erschossen - 44 Journalisten innerhalb von zehn Jahren ermordet

Attentate auf Journalisten dürfen nicht ungeklärt bleiben Reporter ohne Grenzen verurteilt die Straflosigkeit

In der Nacht vom 9. zum 10. September wurde der kolumbianische Journalist Carlos Restrepo in San Luis (300 km südöstlich von Bogotá) tot aufgefunden. Sein Körper wies mehrere Schußwunden auf. Nach Angaben der Polizei gibt es bisher keine Erkenntnisse über Motive oder Identität der Attentäter.

Carlos Restrepo ist der 44. Journalist, der in Kolumbien innerhalb der letzten zehn Jahre ermordet wurde.

In einem Brief an den kolumbianischen Generalstaatsanwalt Alfonso Gómez Méndez drückte Reporter ohne Grenzen große Besorgnis über die Ermordung von Carlos Restrepo, Leiter der Tageszeitung Tangente, aus. Die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit forderte die Behörden auf, umfassende Ermittlungen anzustellen, um die Hintergründe des Mordes aufzuklären und die Täter vor Gericht zu stellen.

In Kolumbien geraten Journalisten zwischen alle Fronten, wenn sie es wagen, die permanenten Menschenrechtsverletzungen anzuklagen und nach Wegen zur Lösung des bewaffneten Konfliktes zwischen der Regierung und den Guerillagruppen ELN und FARC zu suchen. Auch bei Recherchen zum organisierten Verbrechen sind sie bedroht, ebenso bei Recherchen über Menschenrechtsverletzungen durch die Armee.

Polizei, Armee, Justiz und Regierungsbehörden sind oft genug in Drogengeschäfte und andere kriminelle Machenschaften verwickelt, weshalb Gewalttaten gegen Journalisten und andere Kritiker in den meisten Fällen straflos bleiben.

Eine Ausnahme scheint der Fall der Ermordung von Guzmán Quintero Torres, zu sein. Der Chefredakteur der Tageszeitung El Pilón war am 16. September 1999 in Anwesenheit zweier Kollegen in einem Lokal niedergeschossen worden. In seinen Artikeln hatte er die Armee schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt.

Anfang Juli 2000 informierte die Staatsanwaltschaft, sie habe gegen zwei professionelle Killer der paramilitärischen Milizen AUC (Vereinigte Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens), die Ende September 1999 als Tatverdächtige verhaftet worden waren, jetzt Anklage erhoben.

Am 18. August dieses Jahres erließ Präsident Andrés Pastrana ein Dekret, mit dem das "Programm zum Schutz von Journalisten bei der Ausübung ihrer Tätigkeit" ins Leben gerufen wurde. Es trat am gleichen Tag in Kraft.

Reporter ohne Grenzen begrüßt diesen Schritt, weist aber darauf hin, dass diese Maßnahme immer wieder von uns eingefordert wurde und seit Jahren überfällig ist.

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101,
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ zurück | Homepage | Aktuell | Archiv | Volltextsuche | weiter ]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/