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Pressemitteilung Berlin 14.2.2000

Berlin / Tschetschenien

Protest vor der russischen Botschaft

Reporter ohne Grenzen, Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, hat heute vormittag mit einer Protestaktion vor der russischen Botschaft in Berlin auf das Schicksal des in Tschetschenien verschwundenen Journalisten Andrej Babitskij aufmerksam gemacht. Die Organisation übergab einen an den russischen Botschafter Sergej Krylow gerichteten Brief, der von der Moskauer Regierung fordert, zuverlässig und nachprüfbar aufzuklären, wo sich Babitskij befindet.

Sollte er gegen seinen Willen festgehalten werden, fordert Reporter ohne Grenzen seine unverzügliche Freilassung. Falls er tatsächlich, wie vom russischen Innenminister behauptet, gegen gefangene russische Soldaten ausgetauscht wurde, ist dies ein schwerwiegender Verstoß gegen den in der Genfer Konvention garantierten Nicht-Kombattanten-Status von Journalisten. n Während vor dem Botschaftsgebäude Unter den Linden rund zwanzig Mitglieder von Reporter ohne Grenzen mit Transparenten fragten "Wo ist Babitskij?" und feststellten "Journalisten sind keine Austauschgeiseln!", empfing Botschaftsrat Viktor F. Koslikin eine Delegation der Menschenrechtsorganisation. Sprecher Michael Rediske und Geschäftsführerin Barbara Petersen forderten in dem halbstündigen Gespräch nicht nur Schutz für Babitskij und die vollständige Aufklärung seines Schicksals, sondern protestierten auch gegen die weiter zunehmenden Beschränkungen der Berichterstattung für ausländische Journalisten im Tschetschenienkrieg.

Seit kurzem verlangt Moskau für bereits akkreditierte Journalisten Sonderakkreditierungen für das Kriegsgebiet, die unter anderem dann entzogen werden können, wenn die Berichterstattung "die Ehre der russischen Soldaten verletzt und ihr Ansehen in den Schmutz zieht" oder wenn "Falschmeldungen verbreitet werden". Botschaftsrat Koslikin verteidigte die Einschränkungen der Pressefreiheit als "notwendig" für den Schutz der Journalisten. Der Fall Babitskij sei "sehr kompliziert", die Nachrichtenlage noch unklar und die "Meinungen in der russischen Gesellschaft darüber geteilt". Er gehe davon aus, dass der Journalist sich freiwillig gegen russische Soldaten habe austauschen lassen.

Reporter ohne Grenzen dagegen wies darauf hin, dass ein solcher Austausch in die Hände von maskierten Unbekannten auf jeden Fall rechtswidrig und eine Verletzung der Genfer Konvention ist.

Fotos von der Aktion sind ab 14 Uhr elektronisch erhältlich.

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101,
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: 0049 - 30 - 615 85 85
Fax: 0049 - 30 - 614 34 63


Babinsky Protrait
Foto: RSF/Paris
Andrej Babitskij

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Foto
Foto: Dietmar Gust
ROG-Mitglieder protestieren am 14. Februar vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, Unter den Linden 63.
Reporter ohne Grenzen-Vorstand Michael Rediske (r.) und die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Barbara Petersen (l.) im Gespräch mit Botschaftsrat Viktor F. Koslikin (l.), dem sie einen Protestbrief an den russischen Botschafter übergeben wollen. Eine dreiköpfige Delegation wird zusammen mit drei Fotografen in die Botschaft gebeten.

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Foto: Dietmar Gust
ROG-Mitglieder protestieren am 14. Februar vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, Unter den Linden 63.
Reporter ohne Grenzen-Vorstand Michael Rediske (r.) und die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Barbara Petersen (l.) im Gespräch mit Botschaftsrat Viktor F. Koslikin (l.), dem sie einen Protestbrief an den russischen Botschafter übergeben wollen. Eine dreiköpfige Delegation wird zusammen mit drei Fotografen in die Botschaft gebeten.

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Hannelore Förster
ROG-Mitglieder protestieren am 14. Februar vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin, Unter den Linden 63

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Foto: Foto: Dietmar Gust
In der Botschaft: Reporter ohne Grenzen-Vorstand Michael Rediske (r.) und die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Barbara Petersen (2. v. r.) diskutieren mit Botschaftsrat Viktor F. Koslikin (l.), dem sie den Protestbrief übergaben, über den Fall Babitskij und die Beschränkungen der berichterstattung in Tschetschenien.

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