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Pressemitteilung Berlin 15.11.1999

Paris/Birma

Daw San San Nweh erhält den Menschenrechtspreis 1999

Die seit fünf Jahren inhaftierte birmesische Journalistin erhält die internationale Auszeichnung für Verdienste um die Pressefreiheit

Am 10. Dezember wird in Paris der Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen/Fondation de France an die Journalistin und Schriftstellerin San San Nweh verliehen. Eine internationale Jury verleiht den mit 50.000 Francs (ca. 15.000 DM) dotierten Preis alljährlich an Journalistinnen und Journalisten, die sich in besonderer Weise um die Pressefreiheit in ihrem Land verdient gemacht haben.

San San Nweh kann den Preis nicht selbst entgegennehmen: Sie wurde am 5. August 1994 in der birmesischen Hauptstadt Rangoon verhafet und zwei Monate später zu insgesamt zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sieben Jahre Haft, die nach den geltenden Notstandsgesetzen vorgesehene Höchststrafe, erhielt sie wegen "Verbreitung von Informationen zum Schaden des Staates". Weitere drei Jahre wurden verhängt, weil San San Nweh im April 1993 gegenüber französischen Journalisten "parteiliche Auffassungen" geäußert habe. Auch žBeschaffung von Informationen über die Situation der Menschenrechte an den Sonderbotschafter der Vereinten Nationen für Birma" wurde ihr zur Last gelegt.

Die heute 54-jährige leidet unter den menschenunwürdigen Haftbedingungen in den birmesischen Gefängnissen. Im Insein-Gefängnis von Rangoon war sie jahrelang Isolationshaft und Folter ausgesetzt und erlitt Erkrankungen der Leber und der Augen. Vor kurzem wurde sie in das 150 km von Rangoon entfernte Gefängnis von Tharradaway verlegt. Unterstützer, die ihr trotz dieser erschwerten Bedingungen Geld oder Lebensmittel zukommen lassen wollten, wurden vom birmesischen Geheimdienst bedroht.

In Birma sitzen zurzeit 13 Journalistinnen und Journalisten meist langjährige Haftstrafen ab. Damit nimmt die international geächtete Junta den traurigen ersten Platz in der weltweiten Statistik von Reporter ohne Grenzen ein. Die inhaftierten Journalisten leiden ebenso wie rund 2000 politische Häftlinge in Birma unter den extrem harten Haftbedingungen. Der Journalist U Saw Win starb im August 1998 im Gefängnis, und erst im vergangenen September wurde der 43-jährige Fotograf U Thar Win nach einer Razzia gegen die Regierungszeitung Kyemon zusammen mit rund 20 Kolleginnen und Kollegen verhaftet und starb wahrscheinlich - eine endgültige Bestätigung steht noch aus - im Polizeigewahrsam. Der weltbekannte Journalist und Intellektuelle U Win Tin kämpft seit Jahren in einer Gefängniszelle gegen den Tod.

Der Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen wurde seit 1992 an folgende Journalistinnen und Journalisten verliehen:

1998 an Nissar Nayouf, Chefredakteur der Zeitschrift Stimme der Demokratie in Syrien;
1997 an Raul Rivero, Gründer der unabhängigen kubanischen Nachrichtenagentur Cuba Press;
1996 an Ocak Isik Yurtçu (Chefredakteur der verbotenen prokurdischen Zeitschrift Özgür Gündem, Türkei);
1995 an Christine Anyanwu (Chefredakteurin von The Sunday Magazine in Nigeria), 1994 an André Sibomana (der im März letzten Jahres verstorbene Gründer der Zeitschrift Kinyamateka in Ruanda);
1993 an Wang Juntao, Redakteur der Wirtschaftswoche (China);
1992 an Slatko Disdarevic (Redakteur der Tageszeitung Oslobodenje in Sarajevo).
Weitere Informationen online:

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101,
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

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