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PRESSEMITTEILUNG Berlin 22.9.1999

Osttimor:

Journalist ermordet

Weiterhin Angriffe auf Journalisten durch indonesische Armee und Milizen Reporter ohne Grenzen macht den indonesischen Verteidigungsminister Wiranto dafür verantwortlich

Heute fanden Soldaten der Internationalen Schutztruppe in der Nähe von Dili die verstümmelte Leiche des Journalisten Sander Thoenes, Indonesien-Korrespondent der britischen Tageszeitung The Financial Times und der niederländischen Wochenzeitschrift Vrij Nederland. Nach Aussage seines Chauffeurs wurde ihr Fahrzeug am Dienstagabend auf dem Weg nach Becora (derzeitiges Quartier der pro-indonesischen Milizen) von "Männern in indonesischen Uniformen" unter Beschuss genommen.

Zwei weitere Journalisten und ihr Fahrer wurden ebenfalls am 21. September gezielt von pro-indonesischen Milizen angegriffen, als sie Dili verließen. Der Fahrer wurde getötet; nach Angaben eines Journalisten, der anonym bleiben möchte, waren ihm die Augen ausgestochen worden. Die beiden Journalisten, John Swain von der Sunday Times und Chip Hires, Fotograf für die Agentur SIPA, wurden von australischen Soldaten gerettet.

Reporter ohne Grenzen verurteilt die Morde sowie die fortgesetzten Angriffe auf in- und ausländische Journalisten. Die internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit macht den indonesischen Verteidigungsminister Wiranto für die Übergriffe verantwortlich.

Wir fordern General Wiranto auf, sofort und unmissverständlich dem Machtmissbrauch der indonesischen Truppen und der Milizen in Osttimor ein Ende zu setzen. Zudem verlangen wir, dass die Armee mit der internationalen Schutztruppe kooperiert, damit die Schuldigen für die Morde und Übergriffe zur Verantwortung gezogen werden können.

Seit den Vorbereitungen für das Unabhängigkeitsmemorandum bezeugten Dutzende in- und ausländischer Medienvertreter, die selbst Opfer von Morddrohungen und Überfällen geworden sind, die Verwicklung der indonesischen Streitkräfte in diese Gewalttaten.

Zudem müssen nach uns vorliegenden Informationen indonesische Journalisten, die nach Osttimor reisen wollen, ein Schreiben unterzeichnen "dass die Armee ihnen keinerlei Schutz gewährt".

Das Internationale Sekretariat von Reporter ohne Grenzen in Paris hatte am 9. September in einem Offenen Brief an Un-Generalsekretär Kofi Annan besseren Schutz für die Presse verlangt, "damit Milizen und Armee ihre Übergriffe nicht vollkommen ungestraft fortsetzen können" und die Verbrechen in Osttimor nicht "hinter einem schwarzen Vorhang" vor den Augen der Weltöffentlichkeit verborgen sind.

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