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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 18.8.1999

Alarmierende Zwischenbilanz

Seit dem 1. Januar wurden weltweit 20 Journalisten ermordet - mehr als im gesamten Jahr 1999

1999 sind in noch nicht einmal acht Monaten weltweit 20 Journalistinnen und Journalisten in Ausübung ihres Berufes getötet worden. Damit ist die Zahl von 19 Toten aus dem Vorjahr bereits übertroffen. Reporter ohne Grenzen, internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, verzeichnet damit erstmals seit vier Jahren wieder ein Ansteigen der Gewalttaten mit tödlichem Ausgang.

Allein in Sierra Leone starben in diesem Jahr zehn Journalisten. In Jugoslawien (Serbien und Kosovo) fielen sechs Pressevertreter Mordanschlägen oder kriegerischer Gewalt zum Opfer, in Nigeria zwei, in Kolumbien und im Libanon jeweils einer. Der bislang letzte Mord - an dem Journalisten Jaime Garzon - wurde am 13. August in Kolumbien verübt, in dem Land, das im letzten Jahr mit vier Morden an der Spitze der Gewalt-Statistik stand.

Angriffe gegen Journalisten sind immer auch ein Gradmesser für die allgemeine Situation der Menschenrechte in einem Land. Sierra Leone, das seit dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs Ende letzten Jahres zum weltweit gefährlichsten Land für Journalisten wurde, ist auch Schauplatz zahlloser Gewalttaten gegen die Bevölkerung. Die Rebellenarmee RUF tötete allein im Januar acht Journalisten. Ein weiterer wurde im Februar von ECOMOG-Soldaten erschossen, und Conrad Roy, früherer Herausgeber der nicht mehr erscheinenden Zeitung Expo Times, starb im Gefängnis an einer nicht behandelten Tuberkulose-Erkrankung, die er sich in der Haft zugezogen hatte.

In Europa hat der Kosovo-Krieg fünf Todesopfer unter Journalisten gefordert: die beiden Stern-Reporter Volker Krämer und Gabriel Grüner sowie drei chinesische Journalisten, die bei der Bombardierung der Botschaft ihres Landes durch die Nato ums Leben kamen. Der serbische Journalist Slawko Kuruvija, Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Dnevni Telegraf, fiel in Belgrad einem Mordanschlag zum Opfer.

Die Mehrzahl dieser Verbrechen bleibt wahrscheinlich ungestraft. Die Friedensvereinbarung von Lomé sieht für die kriegführenden Parteien in Sierra Leone eine Generalamnestie vor. In Nigeria wurden die Umstände des Todes der Journalisten Sam Nimfa-Yam und Fidelis Ikwuebe nicht aufgeklärt. In Jugoslawien, wo vieles auf eine Verbindung der Mörder Slawko Kuruvijas zu Regierungskreisen hindeutet, kann man nicht mit einer neutralen Untersuchung rechnen. Straffreiheit für Morde an Journalisten aber bedeutet fast zwangsläufig weitere Gewalttaten.

Die Bilanz zeigt außerdem, daß auch 50 Jahre nach ihrer Verabschiedung der in den Genfer Abkommen geforderte Schutz der Zivilbevölkerung - und damit auch von Journalisten - bei kriegerischen Auseinandersetzungen nirgendwo auf der Welt gewährleistet ist. Reporter ohne Grenzen fordert alle Unterzeichnerstaaten auf, ihre Verpflichtungen zu respektieren. Darüberhinaus fordern wir die genaue und unabhängige Untersuchung aller Fälle, in denen Journalisten gewaltsam zu Tode kamen.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
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Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
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