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PRESSEMITTEILUNGMit Bitte um Veröffentlichung zum 3. Mai
Berlin, 30. 4. 99

3. Mai 1999 - Internationaler Tag der Pressefreiheit

Vier Milliarden Menschen ohne Pressefreiheit

Die erregte Kontroverse zur Berichterstattung über den Krieg im Kosovo unterstreicht einmal mehr die zwingende Notwendigkeit freier Information. Wie läßt sich ohne wirklich unabhängige journalistische Berichterstattung Distanz zu staatlicher Propaganda halten? Wie kann man sich ein Urteil über die Vorgänge bilden, wenn es keine gesicherten Angaben aus unabhängigen Quellen gibt?

Im Kosovo und in Serbien zeigt sich, wie in allen bewaffneten Konflikten der letzten Jahre, daß Journalisten nicht nur mehr oder minder "zufällig" Opfer werden, weil sie zwischen die Fronten der kämpfenden Parteien geraten, sondern daß sie zunehmend ganz bewußt zum Ziel gemacht werden. Wie jedes Menschenrecht, zuallererst das auf Leben und körperliche Unversehrtheit, so wird auch das Recht auf Informationsfreiheit ein Opfer des Krieges.

Liberalisierung - aber zu langsam

Reporter ohne Grenzen konstatiert in der diesjährigen Bilanz zum "Internationalen Tag der Pressefreiheit" dennoch eine positive Entwicklung zum Ende dieses Jahrhunderts. In vielen Ländern Osteuropas, Afrikas und Lateinamerikas ermöglicht ein Demokratisierungsprozeß das Entstehen einer Presse, die sich ihrer Rechte und Verantwortung zunehmend bewußt wird. Manchmal beendet auch ein Wechsel in der Staatsführung die systematische Unterdrückung der Medien - oder schwächt sie zumindest ab: Der Tod des nigerianischen Präsidenten General Sani Abacha im Juni 1998 oder der Rücktritt Präsident Suhartos in Indonesien mögen dafür als Beispiel gelten.

Der Prozeß der Liberalisierung von Information geht insbesondere bei den audiovisuellen Medien, die wohl den größten Einfluß haben, allerdings zu langsam vonstatten. Nicht weniger als 65 Länder verteidigen hartnäckig das Staatsmonopol auf das Fernsehen, und 45 von ihnen versuchen, neue Kommunikationswege zu beschränken, indem sie den Zugang zum Internet kontrollieren.

Privatisierung der Gewalt

1998 ging die Zahl der Journalistinnen und Journalisten, die wegen ihrer Veröffentlichungen oder in Ausübung ihres Berufes getötet wurden, weiter zurück. Reporter ohne Grenzen verzeichnet 19 Fälle gegenüber 26 im Jahre 1997 und 28 in 1996. Die Kriege in Algerien und Ruanda kosteten besonders viele Journalisten das Leben: 1995 starben weltweit 51 (allein in Algerien 22) und 1994 sogar 103 (darunter 48 in Ruanda und 18 in Algerien). Obwohl die aktuelle Statistik weniger schrecklich scheint als die der vergangenen Jahre, läßt sich dennoch eine äußerst besorgniserregende Entwicklung beobachten. Die Zahl der Journalisten, die durch kriegerische Auseinandersetzungen starben, ging zwar zurück, ebenso in einigen Ländern die staatlich organisierten Repressalien gegen Medien und ihre Mitarbeiter. Dafür gibt es eine verstärkte "Privatisierung der Gewalt".

Nur 30 Länder gewähren Pressefreiheit

Noch immer respektieren nur 30 demokratische Staaten der Erde den Artikel 19 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte", während er in 30 anderen Ländern - mit zwei Milliarden Menschen - von autoritären Regimen völlig mißachtet wird. Und weitere zwei Milliarden Menschen müssen sich mit einem sehr stark eingeschränkten Recht zu informieren und informiert zu werden begnügen. Rund zwei Drittel der Menschheit also kennen keine Pressefreiheit.


Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

Ausführliches Material zur Situation der Pressefreiheit finden Sie auf den Internetseiten von Reporter ohne Grenzen http://www.rog.at und Reporters sans frontières http://www.rsf.fr

Den Jahresbericht zur weltweiten Situation der Pressefreiheit (in englischer oder französischer Sprache) schicken wir Ihnen auf Anforderung gern zu.


Veranstaltungen am 3. Mai

Keine Freiheit ohne Pressefreiheit!
Veranstaltung auf Einladung des Kölner Presseclubs mit verfolgten Journalisten/Autoren aus der Türkei und dem Iran;
19 Uhr, Medienforum Glasilika, Jülicher Str. 26, 50764 Köln

Hürriyet, Cumhüriyet, Özgür Politika. Sie machen Schlagzeilen - und wir wissen von nichts.
Podiumsdiskussion;
19 Uhr, Evang. Medienakademie, Esplanande 15, 20354 Hamburg

Kampf um die Wahrheit. Journalisten im Kosovo-Krieg.
Veranstaltung mit Gästen aus Serbien und dem Kosovo;
18 Uhr, PH-Gebäude der Universität, Emil-Fligge-Str. 50, Dortmund

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