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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 16.2.1999

China

Gao Yu nach fünfeinhalb Jahren Haft entlassen

Die Freilassung von zwei Journalisten ist nichts als ein Täuschungsmanöver
Noch immer sitzen 12 Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis

Nach fünf Jahren und sechs Monaten Gefängnis - nur 6 Monate vor Ende des ihr auferlegten Strafmaßes - wurde die chinesische Journalistin Gao Yu am 15. Februar "aus gesundheitlichen Gründen" vorzeitig entlassen.

Die 56jährige Gao Yu, Mitarbeiterin der beiden in Hongkong erscheinenden Zeitungen Mirror Monthly und Chinese Overseas Daily, war am 2. Oktober 1993 verhaftet und vier Tage darauf zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Reporter ohne Grenzen, internationale Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, begrüßt die Freilassung von Gao Yu, verurteilt aber, daß diese nicht bereits viel früher erfolgt ist.

Die Anklage gegen Gao Yu lautete auf "Verrat von Staatsgeheimnissen". Tatsächlich wurde sie verurteilt, weil sie ihre Meinung frei geäußert hatte. Die Anschuldigung, vertrauliche Dokumente in Zusammenhang mit dem 14. Kongreß der KP Chinas an die Hongkonger Presse weitergegeben zu haben, wurde von ihr stets bestritten.

Obwohl die Journalistin schwer herzkrank ist und wegen einer Innenohrerkrankung (Menièrsche Krankheit) häufig das Bewußtsein verliert, war sie nicht entlassen worden. Unsere wiederholten Appelle zu ihrer sofortigen Freilassung und adäquaten medizinischen Versorgung wurden ignoriert.

Die Freilassung von Gao Yu in dieser und von Sun Weibang (inhaftiert seit dem 2. Juni 1989) in der letzten Woche können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die chinesische Regierung das Menschenrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit mit fast beispielloser Brutalität mißachtet. Rigide Zensur jeder Publikation einschließlich des Zugangs zum Internet, systematische Verfolgung kritischer Journalisten sind Bestandteil chinesischer Politik.

Noch immer sind in China 12 Journalistinnen und Journalisten inhaftiert. Von Ma Tao, Redakteurin der China Health Education News, am 26. Oktober 1992 gemeinsam mit ihrem Ehemann Wu Shishen verhaftet und ebenfalls wegen "Verrats von Staatsgeheimnissen" zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, fehlt jede Nachricht. Ma Tao müßte seit Oktober 1998 frei sein.

Reporter ohne Grenzen fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller in China noch inhaftierten Journalistinnen und Journalisten:

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
D-10999 Berlin Germany
rog@snafu.de
Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
Fax: +49 - 30 - 614 34 63

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