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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 24.1.1999

Argentinien - Paris - Berlin:

Zwei Jahre nach dem Tod des Pressefotografen José Luis Cabezas sind seine Mörder noch immer nicht bestraft

Reporter ohne Grenzen fordert nach wie vor die volle Aufklärung des Verbrechens

Argentinien gedenkt des Ermordeten mit einer Schweigeminute und Demonstrationen

Am 25. Januar 1997 wurde die Leiche von José Luis Cabezas, Fotoreporter der Zeitschrift Noticias, in der Nähe des Prominenten-Badeorts Pinamar in einem ausgebrannten Auto gefunden. Die Mörder hatten seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und ihn dann erschossen. Die Bluttat löste landesweite Proteste aus. Cabezas Name steht als Symbol für den Kampf gegen die Straffreiheit von Verbrechen, deren Drahtzieher einflußreiche Größen aus Politik oder organisierter Kriminalität sind.
Die Täter und ihre Hintermänner im Mordfall Cabezas sind nicht ermittelt worden. Eine vor dem Gerichtshof der Stadt Dolorès eingeleitete Untersuchung wurde vom zuständigen Richter Macchi im Dezember letzten Jahres abgebrochen.

Für morgen, den zweiten Todestag von José Luis Cabezas, sind zahlreiche Demonstrationen geplant. Ein Schweigemarsch am Vorabend seine Todes wird durch Pinamar führen, in Buenos Aires soll eine Gedenkminute an Cabezas erinnern und für jeden der seit seiner Ermordung vergangenen 24 Monate eine Fackel entzündet werden. "24 Ansprachen für die Gerechtigkeit und gegen die Straflosigkeit" wurden angekündigt. Unter der Schirmherrschaft von Reporter ohne Grenzen läuft eine eine Ausstellung mit Bildern internationaler Fotografen "Gegen das Vergessen". (Die Fotos der Kampagne sind auch auf den Internetseiten von Reporter ohne Grenzen http://www.rsf.fr abrufbar.)

Die Einstellung der Ermittlungen rief landesweit Proteste hervor. Der Prozeßtermin war für den Mai 1999 geplant, zeitgleich mit dem bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf - ein Grund mehr, weshalb Beobachter politische Manipulationen vermuten: Als möglicher Drahtzieher des Mordes gilt der Unternehmer Alfredo Yabran, über dessen - von Angehörigen der lokalen Polizei gedeckte - Verwicklung in Drogengeschäfte Cabezas recherchiert hatte. Yabran unterhielt Verbindungen zu zahlreichen Politikern. Er starb unter ungeklärten Umständen am 15. Mai 1998. Daraufhin waren alle Untersuchungen über seine mögliche Mittäterschaft eingestellt worden.

Bereits am 1. April hatten drei Richter der Strafkammer in Dolores gegen die Amtsführung ihres Kollegen Macchi protestiert, ihm schwere Versäumnisse vorgehalten und die bisherigen Ermittlungen gegen die wahren Hintermänner des Mordes als unzureichend bezeichnet. Zwar werden insgesamt 15 Personen der Verwicklung in den Mord beschuldigt, die aber - wenn überhaupt - nur als Befehlsempfänger gelten können.

Reporter ohne Grenzen fordert nachdrücklich die Weiterführung der Ermittlungen gegen die Verantworlichen des Mordes an José Luis Cabezas und die volle Aufklärung des Verbrechens. Die Straflosigkeit von Gewalttaten gegen Journalisten ist eine der größten Gefahren für die Pressefreiheit - gerade auch im lateinamerikanischen Raum.

Reporter ohne Grenzen
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