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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 10.12.1998

Der Alltag auch am 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

Zensur, Gefängnis, Folter, Mord

Am heutigen 10. Dezember, dem 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, beklagen wir erneut den Tod eines iranischen Literaten. Mohammad Mokhtari, seit dem 3. Dezember "verschwunden", wurde tot aufgefunden, allem Anschein nach erdrosselt.

Sein enger Mitarbeiter, der Übersetzer Mohammad Jafar Pujadih, ist seit gestern ebenfalls "verschwunden".

Reporter ohne Grenzen, internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, ist in großer Sorge um die Sicherheit und um das Schicksal der regimekritischen Schriftsteller und Journalisten. Wir fürchten angesichts der Welle des Terrors gegenüber oppositionellen Intellektuellen im Iran, daß gerade die Unterzeichner des "Appells der 134" von 1994, einem Aufruf mit der Forderung nach Redefreiheit sowie der Gründung eines unabhängigen Schriftstellerverbandes, endgültig zum Schweigen gebracht werden sollen.

Der Tod von Majid Sharif am 25. November, Journalist der Zeitung Iran Farda ist nach wie vor ungeklärt. Der Autor und Übersetzer Sharif war auch mit Dariush Foruhar, dem Vorsitzenden der illegalen Iranischen Nationalpartei, befreundet, der zusammen mit seiner Frau Parvaneh am 22. November in seiner Wohnung erstochen wurden.

Bereits seit Ende August fehlt jede Spur von Pirus Davani, Chefredakteur der Zeitung Pirus, der Gerüchten zufolge bereits "exekutiert" worden sein soll.

Heute, am 10. Dezember, verurteilt Reporter ohne Grenzen die Tatsache, daß weltweit zumindest 99 Journalistinnen und Journalisten ihren Einsatz für Meinungs- und Informationsfreiheit, garantiert durch Artikel 19 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" mit Gefängnis büßen müssen. Sie wurden - wenn überhaupt ein Gerichtsverfahren stattfand - in Prozessen unter Ausschluß der Öffentlichkeit und unter Mißachtung rechtsstaatlicher Normen verurteilt, auch entgegen allen internationalen Konventionen, in denen Meinungs- und Pressefreiheit garantiert ist.

Allein in den vergangenen zehn Jahren haben weit über 600 Journalistinnen und Journalisten ihren Mut und ihren Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit mit ihrem Leben bezahlt.

Wir protestieren dagegen, daß die Mehrzahl dieser Verbrechen weder untersucht noch aufgeklärt wird und die Hintermänner und wahren Schuldigen zumeist ungeschoren davonkommen. Wir fordern die Aufnahme von Ermittlungen und Bestrafung der Täter sowie ausreichenden Schutz für alle, die die Freiheit des Wortes und der Information verteidigen.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85
Weiteres umfangreiches Material über die Organisation, Archiv

Reporter ohne Grenzen: http://www.rog.at
Reporters sans frontières: http://www.rsf.fr
sowie zum 50. Jahrestag: http://www.club-internet.fr

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
D-10999 Berlin Germany
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Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
Fax: +49 - 30 - 614 34 63

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