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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 16.11.1998

Syrien/Paris:

Menschenrechtspreis für syrischen Journalisten

Internationale Jury vergibt die Auszeichnung von Reporter ohne Grenzen an den in Syrien inhaftierten Journalisten Nizar Nayouf

Am 18. November um 11.30 Uhr findet in Paris die Verleihung des Menschenrechtspreises 1998 von Reporter ohne Grenzen / Fondation de France statt.

Den Preis erhält der 43 jährige syrische Journalist Nizar Nayouf, Chefredakteur der Zeitschrift Stimme der Demokratie sowie Mitarbeiter der Wochenzeitung Al-Hurriya und des Literaturmagazins Al-Thaqafa Al-Ma'rifa . Er wurde am 10. Januar 1992 verhaftet und am 17. März desselben Jahres von einem Militärgericht zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Stimme der Demokratie war das monatliche Journal des "Komitees zur Verteidigung der demokratischen Freiheit in Syrien" (CDF). Seine Unterstützung für diese, von der Regierung zur "terroristischen Organisation" erklärten, Menschenrechtsgruppe war der Grund für Nizar Nayoufs Verurteilung.

Die Bedingungen im Militärgefängnis von Mezze, wo Nizar Nayouf in Isolierhaft gehalten wird, sind unmenschlich: Die Zelle mißt 2,5 mal 3 Meter, seit sechs Jahren hat er kein Tageslicht mehr gesehen. Der Journalist leidet an der - ohne ärztliche Behandlung tödlichen - Hodgkinschen Krankheit und infolge mehrerer Hungerstreiks unter Magengeschwüren. Durch Folter auf dem "deutschen Stuhl" und Schläge mit Eisenstangen erlitt er Wirbelsäulenfrakturen; seine Beine sind gelähmt. Medizinische Hilfe wird ihm verweigert, solange er seine Aussagen zur Situation der Menschenrechte in Syrien nicht schriftlich widerruft.

Der Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen ist mit 50.000 Francs (rund 15.000 DM) dotiert und wird seit 1992 an Journalisten vergeben, die sich in ihrem jeweiligen Heimatland in besonderer Weise für die Pressefreiheit eingesetzt haben. Eine internationale Jury - zu der die deutschen Mitglieder Sabine Christiansen, Manfred Bissinger und Michael Rediske gehören - sprach sich unter den sieben Nominierten für Nizar Nayouf aus.

Die bisherigen Preisträger waren Slatko Disdarevic (Redakteur der Tageszeitung Oslobodenje in Sarajevo, 1992), Wang Juntao, Redakteur der Wirtschaftswoche (China), André Sibomana (der im März dieses Jahres verstorbene Gründer der Zeitschrift Kinyamateka in Ruanda), Christine Anyanwu (Chefredakteurin von The Sunday Magazine in Nigeria), Ocak Isik Yurtçu (Chefredakteur der verbotenen prokurdischen Zeitschrift Özgür Gündem, Türkei) sowie im letzten Jahr Raul Rivero, Gründer der unabhängigen kubanischen Nachrichtenagentur Cuba Press.


Hintergrundinformationen (teilweise in englischer oder französischer Sprache) über Nizar Nayyouf, die Situation der Pressefreiheit in Syrien, die bisherigen Preisträger sowie die in diesem Jahr Nominierten senden wir auf Anfrage gerne zu.

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
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Fax: +49 - 30 - 614 34 63

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