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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 25.8.1998

Türkei / Deutschland:

Bilderstürmer im türkischen Generalkonsulat

Reporter ohne Grenzen protestiert energisch gegen die Behinderung seiner Ausstellung "100 Fotos für die Pressefreiheit"

Durch Androhung einer Medienkampagne hat das Türkische Generalkonsulat in Düsseldorf ein Kreditinstitut im rheinischen Dinslaken dazu genötigt, Bilder aus der von Reporter ohne Grenzen (ROG) gestalteten Ausstellung "100 Fotos für die Pressefreiheit" zu entfernen.

Seit 1995 wurde die Schau an zahlreichen Orten in Deutschland gezeigt, unter anderem im November 1996 im Foyer des Deutschen Bundestages. In Dinslaken stellt ein örtliches Kreditinstitut seit dem 10. August 1998 die "100 Fotos..." aus. Nach einem Brief des türkischen Generalkonsuls Fatih Ceylan an den Bankvorstand vom 18. August sah sich das Institut veranlaßt, drei Bilddokumente mit Motiven aus kurdischen Gebieten in der Türkei abzuhängen.

In dem Schreiben, das ROG vorliegt, heißt es: "In der vergangenen Woche haben sich die Beschwerden der in unserer Zuständigkeitsbereichs lebenden türkischen Gesellschaft bzw. türkische Staatsangehörigen, darüber, daß es in Ihrer Bankfiliale eine Ausstellung eröffnet wurde, die die Einheit unseres Landes verletzt, gehäuft. Wie wir selbst geprüft haben, entsprechen die Meldungen leider der Wahrheit. Wenn die Bilder, die die Einheit unseres Landes verletzen und unser Land diffamieren, von jener Ausstellung bis zum 20. August 1998 nicht entfernt werden sollten, werden wir es durch die Medien der unserer in Deutschland lebenden Staatsangehörigen bekanntgeben."

Reporter ohne Grenzen verbittet sich dieses Vorgehen. Als Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit nehmen wir nicht widerspruchslos hin, daß das Generalkonsulat in dieser Weise Einfluß auf die Gestaltung einer Ausstellung internationaler Bilddokumente nimmt. Die beanstandeten Aufnahmen zeigen Geschehnisse in der Türkei, die von renommierten Fotografen festgehalten wurden. Unsere Schau wirbt für die Bedeutung unabhängiger Berichterstattung. All dies haben wir dem Generalkonsul in einem Protestbrief mitgeteilt.

Bei einem Telefonat mit der Vizekonsulin Yonça Sunel wurde Reporter ohne Grenzen damit gedroht, daß die türkische Vertretung künftig auch an anderen Ausstellungsorten gegen die Bilderschau vorgehen werde.

Die Bezirksarbeitsgemeinschaft oberbayerischer Volkshochschulen, die den Verleih der Ausstellung bundesweit organisiert, unterstützt unseren Protest. Auch ihr ist völlig unverständlich, wieso das Generalkonsulat nach so langer Laufzeit in ganz Deutschland auf einmal in Dinslaken Probleme sieht.

Die Türkei gehört zu den Ländern, in denen die Pressefreiheit massiv behindert wird. Trotz einer großen Medienvielfalt kommt es immer wieder zu schweren Übergriffen gegen Journalisten. Polizei, Militär und Justiz gehen vor allem gegen jede Form unabhängiger und kritischer Berichterstattung über den Krieg in den kurdischen Gebieten des Landes mit brutalen Mitteln vor. 1997 erfolgten 255 vorübergehende Festnahmen, in mindestens 16 Fällen wurden Journalisten in der Haft gefoltert, gegen Mitarbeiter von 44 Medien waren Strafverfahren anhängig. Beschlagnahmen, befristete und auch endgültige Erscheinungs- bzw. Sendeverbote gehören zur alltäglichen Praxis der Behörden.

Reporter ohne Grenzen setzt sich für die sofortige und bedingungslose Freilassung von derzeit vier in der Türkei inhaftierten Journalisten ein und ermittelt darüberhinaus in 75 weiteren Fällen, in denen Grund zu der Annahme besteht, daß Inhaftierungen im Zusammenhang mit journalistischer Arbeit oder Meinungsäußerungen erfolgten.

Die Zensierten Bilder:

Foto Türkei/Kurdistan, Batman, 25.3.1994

Kurdischer Dorfbewohner in der Region Batman vor zerstörten Häusern

Foto: Andreas Herzau/signum

Foto in Großauflösungen (41 kB)
Foto Türkei/Kurdistan, Batman, 25.3.1994

Türkische Soldaten besetzen ein kurdisches Dorf in der Region Batman.

Foto: Andreas Herzau/signum

Foto in Großauflösungen (67 kB)

Für weitere Informationen: Tel. (0049030) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
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Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
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