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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 16.6.1998

Kamerun:

Karrikatur

Vorsicht bei der Sportberichterstattung!

Wer über die Fußball-Leidenschaft von Kameruns Präsident Paul Biya berichtet, könnte sich im Gefängnis wiederfinden

Beim zweiten Weltmeisterschafts-Spiel der Nationalmannschaft von Kamerun am 17. Juni in Montpellier wird sicher auch Präsident Paul Biya unter den Zuschauern sein. Er hatte es sich schon beim ersten Match der Kameruner gegen Italien nicht nehmen lassen, die "unzähmbaren Löwen" persönlich anzufeuern.

Journalisten aus aller Welt können über das Spiel ungehindert berichten. Ihre Kollegen aus Kamerun allerdings müssen genau überlegen, was sie schreiben. Auf keinen Fall sollten sie den Gesundheitszustand des Präsidenten zum Thema machen! Sonst könnte es ihnen ergehen wie Pius Njawé, Chefredakteur der Zeitschrift Le Messager, der seit dem 24. Dezember 1997 im Gefängnis sitzt.

Am 22. Dezember 1997 veröffentlichte Le Messager die Nachricht, Präsident Biya habe während des Endspiels um den Fußballpokal seines Landes einen Schwächeanfall, möglicherweise eine Herzattacke erlitten. Diese Information war der Redaktion aus dem Umfeld des Präsidenten bestätigt worden. Ihrem Chefredakteur half dies allerdings wenig: Er wurde verhaftet und wegen "Verbreitung falscher Informationen" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. In der Revisionsverhandlung vom 14. März dieses Jahres wurde das Strafmaß auf "nur" ein Jahr (und eine Geldbuße von 300 000 kamerunischen Francs, ca. 1100 DM)

Das Urteil trifft einen bekannten Verfechter der unabhängigen Presse, der unter anderem in die Jury zur Vergabe des jährlichen UNESCO/Guillermo-Cano-Preises für Pressefreiheit berufen wurde.

Reporter ohne Grenzen fordert die sofortige Freilassung von Pius Njawé. Die belgische Sektion hat bereits im April 5000 Unterschriften gesammelt. Eine elektronische Petition findet sich auf den Internet-Seiten des Internationalen Sekretariats (http://www.rsf.fr).

Reporter ohne Grenzen und Amnesty International informieren im Internet über die Situation der Menschenrechte in den WM-Teilnehmerländern. Die Seiten werden von arte und La Cinquième, dem fünften französischen Fernsehprogramm, zur Verfügung gestellt.

http://www.sdv.fr/arte/special/coupedh/dtext/

(Die obenstehende Karikatur ist dieser Website entnommen.)

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
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