ROG AktuellROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsucheweiter

PRESSEMITTEILUNGBerlin, 12.6.1998

Rußland:

Mord an Journalistin in Rußland

Reporter ohne Grenzen fordert von Jelzin energische Ermittlungen

Der Mord an Larissa Judina bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Die nachlässige Strafverfolgung der russischen Behörden provoziert immer neue Verbrechen.

Nach dem Mord an der Journalistin Larissa Judina hat Reporter ohne Grenzen den russischen Präsidenten Boris Jelzin erneut aufgefordert, sich für den Schutz der Pressefreiheit in seinem Land einzusetzen. Der Präsident, so ein Protestbrief der Menschenrechtsorganisation, solle endlich "der Straflosigkeit ein Ende bereiten, die bislang auf praktisch alle Morde an Journalisten folgte." Larissa Judina ist in diesem Jahr bereits die fünfte ermordete Journalistin in Rußland.

Die Chefredakteurin der Tageszeitung Sowietskaja Kalmykia, war in der Nacht vom 7. zum 8. Juni in Elista, der Hauptstadt der russischen Republik Kalmykien, verschwunden. Sie hatte sich Berichten zufolge mit Unbekannten getroffen, die ihr Informationsmaterial über die Unterschlagung öffentlicher Mittel angeboten hatten. In die Vorgänge sollte auch der kalmykische Präsident Kirsan Iljumschinow verwickelt sein. Am Morgen des 8. Juni fand man Larissa Judinas Leiche.

Entgegen der Darstellung der kalmykischen Behörden ist ein politischer Hintergrund des Mordes mehr als wahrscheinlich: Die Sowietskaja Kalmykia gilt als einzige oppositionelle Zeitung der Republik und kritisiert immer wieder Autoritarismus und Korruption in Regierung und Verwaltung. Die Behörden hatten in der Vergangenheit mehrfach die Schließung der Zeitung angedroht. Larissa Judina war nicht nur Chefredakteurin dieser Zeitung, sondern auch in der oppositionellen Jabloko-Partei aktiv. Sie hatte wegen ihrer kritischen Artikel seit 1993 Drohungen erhalten.

Bereits im März dieses Jahres, als in zwei besonders spektakulären Fällen endlich Ermittlungsfortschritte zu verzeichnen waren, erinnerte Reporter ohne Grenzen daran, daß die allermeisten Morde und zahllosen anderen Gewaltverbrechen gegen Journalisten in Rußland niemals aufgeklärt wurden.

Seit 1991 wurden in Rußland rund 30 Journalisten in Ausübung ihres Berufes getötet. Zehn von ihnen starben während des Tschetschenien-Krieges, in vielen anderen Fällen recherchierten die Opfer in Fällen von Korruption und organisierter Kriminalität.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: +49 - 30 - 615 85 85
Fax: +49 - 30 - 614 34 63

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ zurück | Homepage | Aktuell | Archiv | Volltextsuche | weiter]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/