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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 11.6.1998

Nigeria:

Karikatur

Kein Spiel für die Pressefreiheit

Nigerias Auftritt bei der WM dient der Selbstdarstellung eines Regimes, das jede unabhängige Berichterstattung brutal unterdrückt.

Am 13. Juni bestreitet die Fußballnationalmannschaft Nigerias ihr erstes Spiel bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Die EU hat dieses Turnier vom Kultur- und Sportboykott gegen die westafrikanische Militärdiktatur ausgenommen. Das gesteigerte Interesse der Medien ist dem "Geheimtip" Nigeria gewiß - ganz im Sinne der nigerianischen Regierung, die sich sonst durch extreme Brutalität gegen unabhängige Medien auszeichnet.

In nigerianischen Gefängnissen sind mindestens 12 Journalistinnen und Journalisten unter lebensbedrohlichen Haftbedingungen inhaftiert. Niran Malaolu, Chefredakteur der Zeitschrift The Diet, wurde am 28. April dieses Jahres zu lebenslanger Haft verurteilt. Christine Anyanwu, Herausgeberin von The Sunday Magazine, verbüßt seit Mai 1995 eine 15jährige Gefängnisstrafe, ebenso ihre Kollegen Kunle Ajibade (The News), Ben Charles Obi (Weekend) und Georges Mbah (Tell). Alle wurden der Verwicklung in angebliche Putschversuche beschuldigt.

Die Freilassung einiger Journalisten und anderer politischer Gefangener im April dieses Jahres bedeutet keine wesentliche Verbesserung der Situation. Die unverändert harte Linie der Militärdiktatur bestimmt vielmehr das Schicksal von Adetonkunbo Fakeye, Babafemi Ojudu und Rafiu Salau. Alle drei sind Mitarbeiter der Zeitungsgruppe The News, die besonders hart von den Repressalien der Behörden betroffen ist. Sie sitzen seit Monaten ohne Anklageerhebung in Haft.

Vor genau fünf Jahren, am 12. Juni 1993, fanden in Nigeria die letzten Wahlen statt. Ihre sofortige "Annullierung" durch den am Montag verstorbenen General Sani Abacha und die Verhaftung des Wahlsiegers Moshood Abiola markieren den Beginn der Herrschaft durch den "Provisorischen Staatsrat". Reporter ohne Grenzen fordert von Abachas Nachfolger, General Abdulsalam Abubakar, die Einhaltung des auch von Nigeria ratifizierten Internationalen Paktes über soziale und politische Rechte, dessen Artikel 19 die Meinungs- und Informationsfreiheit garantiert.

Reporter ohne Grenzen und Amnesty International informieren im Internet über die Situation der Menschenrechte in den WM-Teilnehmerländern. Die Seiten werden von arte und La Cinquième, dem fünften französischen Fernsehprogramm, zur Verfügung gestellt.

http://www.sdv.fr/arte/special/coupedh/dtext/

(Die obenstehende Karikatur ist dieser Website entnommen.)

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

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