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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 29.5.1998

Nigeria:

Christine Anyanwu seit drei Jahren in Haft

Seit dem 31. Mai 1995 sitzt die schwerkranke Journalistin im Gefängnis. Die Situation unabhängiger Journalisten in Nigeria ist gekennzeichnet von Einschüchterung, Zensur und Gewalt.

In Nigerias Gefängnissen sitzen zur Zeit mindestens 13 Journalistinnen und Journalisten. Die Haftbedingungen sind lebensbedrohend, Kontakte zu Verwandten, Rechtsanwälten oder Hilfsorganisationen werden behindert. Vier Journalisten - Christine Anyanwu, Kunle Ajibade, Ben Charles Obi und Georges Mbah - wurden vor drei Jahren zu jeweils 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Besonders für Christine Anyanwu, die wegen schwerer Erkrankungen dringend ärztliche Hilfe benötigt, kann diese Strafe den Tod bedeuten.

Im März 1995 veröffentlichte die unabhängige nigerianische Zeitschrift "The Sunday Magazine" die Namen von 19 Regimegegnern, die von der Regierung des Generals Sani Abacha der Beteiligung an einem angeblichen Putschversuch beschuldigt wurden. Daraufhin wurde am 15. März die Herausgeberin des Magazins, Christine Anyanwu, verhaftet. Wenig später kam sie gegen Kaution wieder frei. Am 29. April erging Anklage wegen "Verbreitung falscher Informationen", zwei Tage später wurde sie erneut verhaftet. Das Urteil - lebenslange Haft - erging am 4. Juli 1995. Am 10. Oktober wurde die Strafe auf 15 Jahre reduziert. Das gleiche Strafmaß erhielten Kunle Ajibade, Ben Charles Obi und Georges Mbah.

Reporter ohne Grenzen unterstützt die Gefangenen durch Geldspenden und Solidaritätskampagnen und fordert von der nigerianischen Regierung ihre Freilassung.

Das Schicksal dieser vier Journalisten ist kein Einzelfall:

Niran Malaolu, Chefredakteur der Zeitschrift "The Diet", wurde am 28. April dieses Jahres zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch ihm wirft man die Beteiligung an einem (im Dezember 1997) angeblich versuchten Staatsstreich vor.

Am 6. Mai dieses Jahres wurde Femi Adeoti, Herausgeber von "The Sunday Times" verhaftet. Seine Zeitschrift hatte zuvor das Vorgehen der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen am 1. Mai kritisiert, bei denen sieben Menschen getötet wurden.

Auch Drohungen und Gewalt durch Polizei und Militär gehören zum Alltag kritischer Journalisten in Nigeria - ebenso wie niemals aufgeklärte Anschläge von "Unbekannten". Mehr als 90 Übergriffe gegen Medienvertreter zählte Reporter ohne Grenzen 1997, und in diesem Jahr hat sich die Situation noch verschlimmert. Es gab bereits einen Toten: Am 26. Februar drangen bewaffnete und maskierte Männer in die Wohnung des 34jährigen Tunde Oladepo ein und erschossen den Chefkorrespondenten der Zeitung The Guardian vor den Augen seiner Frau und zweier Kinder.

Für weitere Informationen: Tel. (0049 30) 615 85 85

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