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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 13.5.1998

Palästina:

Reuters-Kameramann gefoltert

Inhaftierter Journalist vom palästinensischen Geheimdienst brutal mißhandelt Reporter ohne Grenzen protestiert bei Präsident Arafat

Reporter ohne Grenzen hat am 12. Mai beim Präsidenten der palästinensischen Autonomieregierung Jassir Arafat gegen die Verhaftung und Folterung des Journalisten Abbas al-Mu'mani protestiert und seine sofortige Freilassung verlangt.

Der 25jährige Kameramann, freier Mitarbeiter der Agentur Reuters, wurde am 7. Mai vom Geheimdienst der Autonomiebehörden (General Intelligence Service) in seinem Büro in Ramallah verhaftet. Ein Haftbefehl gegen ihn lag nicht vor. Nach Informationen von Amnesty International und Reporter ohne Grenzen ist al-Mu'mani in der Haft mit Kabeln geschlagen und an den Gelenken aufgehängt worden. Er mußte über lange Zeiträume in schmerzhaften Körperstellungen verharren, bekam nichts zu essen, wurde am Schlafen gehindert und durfte fünf Tage lang nicht die Toilette benutzen. Am Morgen des 10. Mai gelang Abbas al Mu'mani die Flucht, indem er im dritten Stock des Geheimdienst-Gebäudes in Ramallah aus dem Fenster sprang. Dabei brach er sich ein Bein und wurde noch am selben Tag im Krankenhaus erneut verhaftet. Seitdem gibt es keinerlei Informationen über sein weiteres Schicksal.

Die Verhaftung al-Mu'manis steht in Zusammenhang mit einer am 8. Mai von Reuters veröffentlichten Videokassette, auf der Adel Awadallah zu sehen ist. Der Aktivist der bewaffneten "Hamas"-Bewegung macht den palästinensischen Geheimdienst für die Ermordung des "Hamas"-Führers Muhi al-Dinal-Shari verantwortlich. Die Autonomiebehörden beschuldigen stattdessen Awadallah selbst der Beteiligung an dem Attentat vom 29. März 1998.

Offensichtlich sollen von Abbas al-Mu'mani Informationen darüber erpreßt werden, wie Reuters in den Besitz der Aufnahmen gelangt ist und wo Awadallah sich derzeit aufhält. Al-Mu'mani wurde in Zusammenhang mit dem Videoband bereits vor seiner Verhaftung von der palästinensischen Polizei vernommen. Das Büro von Reuters in Gaza war nach der Veröffentlichung auf Anordnung der Behörden wegen "Verbreitung von Vorurteilen über die palästinensische Gesellschaft" für mehrere Tage geschlossen worden.

Reporter ohne Grenzen forderte Präsident Arafat auf, sich für die Freilassung von Abbas al-Mu'mani ebenso einzusetzen wie für ein Ende der andauernden Angriffe auf Journalisten durch die Behörden der Autonomieregion.

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