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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 28.3.98

Rußland:

Dutzende ungeklärte Morde an Journalisten in Rußland

In zwei besonders spektakulären Fällen machen die Ermittlungen Fortschritte - viele andere bleiben vollkommen im Dunklen

Rußland gehört zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten. Seit 1991 wurden fast 30 Kolleginnen und Kollegen bei der Ausübung ihres Berufes getötet, davon zehn während des Tschetschenien-Krieges. Doch nicht nur Kriegsberichterstatter leben gefährlich: Auch Recherchen in Fällen von Korruption oder organisierter Kriminalität enden oft tödlich.

Erst im Februar 1998 erging Anklage gegen Major Wladimir Morosow und seinen ehemaligen Vorgesetzten bei den Luftlandetruppen, Oberst Pawel Popowskich. Beide stehen im Verdacht, den Mord an Dimitrij Cholodow, Journalist der Tageszeitung Moskowskij Komsomoletz, geplant und ausgeführt zu haben. Cholodow starb am 17. Oktober 1994 bei der Explosion eines mit Sprengstoff präparierten Aktenkoffers in seinem Büro. Er hatte über Korruptionsfälle in den Streitkräften recherchiert.

Am 2. März 1998 erklärte Generalstaatsanwalt Juri Skuratow, seine Behörde habe neue, wichtige Erkenntnisse über den Mord an Wladislaw Listjew, Direktor des staatlichen Fernsehsenders ORT. Der populäre Journalist wurde am 1. Mai 1995 in Moskau erschossen. Skuratow geht von einer Verbindung des Mordes mit Listjevs journalistischer Arbeit aus.

Reporter ohne Grenzen begrüßt die Ermittlungsfortschritte in diesen beiden Fällen. Gleichzeitig erinnern wir an zahlreiche weitere, bislang vollkommen ungeklärte Morde.

Auch zwei Jahre nach dem Mord an Nadjeschda Tschajikowa, Mitarbeiterin der Zeitschrift Obschaja Gaseta, fehlt jeder Hinweis auf die Täter. Am 30. März 1996 wurde die Leiche der Journalistin in der Nähe von Grosny gefunden. Entgegen der Behauptung der russischen Behörden, tschetschenische Untergrundkämpfer seien für die Tat verantwortlich, ergaben die von der Obschaja Gaseta angestellten Untersuchungen deutliche Hinweise auf eine Verwicklung ziviler und militärischer Nachrichtendienste. Eine 1997 durchgeführte interne Ermittlung des russischen Geheimdienstes verlief im Sande.

Erst im März 1998 informierte die Generalstaatsanwaltschaft die Witwe des ORT-Journalisten Ramsan Chadijew, sie habe jetzt eine Untersuchung der Militärbehörden zum Tod ihres Mannes angeordnet. Der Tschetschenien-Korrespondent Chadijew wurde am 12. August 1996 aus einem russischen Panzer heraus erschossen, obwohl er sich deutlich als Journalist zu erkennen gegeben hatte.

Viele weitere Fälle werden genauso zögerlich und nachlässig gehandhabt.

Reporter ohne Grenzen fordert von der russischen Regierung, die Ermittlung und Bestrafung der Täter sicherzustellen. Das unentschiedene Vorgehen der Behörden provoziert geradezu neuerliche Gewalttaten gegen Journalisten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte telefonisch an: (004930) 615 85 85

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