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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 25.3.98

China:

Die Journalistin Gao Yu schwebt in Lebensgefahr

Die schwerkranke chinesische Journalistin muß sofort aus der Haft entlassen und angemessen medizinisch versorgt werden.

Der Gesundheitszustand der 54-jährigen Journalistin Gao Yu, die im Oktober 1993 verhaftet und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist äußerst besorgniserregend. Sie verliert häufig das Bewußtsein und ihre Gliedmaßen, vor allem die Hände, sind wegen der schweren Herzkrankheit stark angeschwollen.

Reporter ohne Grenzen erwartet von den chinesischen Behörden die unverzügliche Freilassung von Gao Yu, damit sie in einem Krankenhaus die medizinische Versorgung erhält, die sie unbedingt benötigt.

Reporter ohne Grenzen, internationale Organisation zur Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit betont: Es geht in erster Linie darum, daß ein Mensch am Leben bleibt.

Wir intervenieren seit Jahren regelmäßig bei der chinesischen Regierung zugunsten Gao Yus, haben ihre sofortige und bedingungslose Freilassung gefordert sowie eine menschenwürdige Behandlung der Gefangenen angemahnt. Selbstverständlich geht es auch darum, Gao Yu die Ausübung ihres Berufes wieder zu gestatten.

Die Freilassung von Gefangenen aus medizinischen Erwägungen ist nicht mehr als ein kleiner Schritt in Bezug auf die Verbesserung der Menschenrechte in China. Nach wie vor fordern wir die sofortige und bedingungslose Haftentlassung aller zwölf Journalistinnen und Journalisten, die zur Zeit in Chinas Gefängnissen leiden.

Der chinesische Dissident Wei Jingsheng, der im November 1997 aus gesundheitlichen Gründen freigelassen worden war, äußerte gegenüber Reporter ohne Grenzen:

"Die Weigerung der Kommunistischen Partei Chinas, Gao Yu zu entlassen, damit sie angemessen versorgt werden kann, beweist aufs Neue, mit welcher Brutalität sie Gefangene behandeln, die wegen abweichender Meinungen inhaftiert sind. Der Fall Gao Yu zeigt, daß man meine Freilasung nicht als Zeichen für einen wirklichen Fortschritt hinsichtlich der Lage der Menschenrechte in China werten darf."

Hintergrund

Gao Yu, ehemalige stellvertretende Chefredakteurin von "jingji xue zhoubao" (Wirtschaftwoche) schrieb auch für die Hongkonger Zeitschriften "The Mirror Monthly" und "Chinese Overseas Daily". Bei der Wirtschaftswoche arbeitete sie zusammen mit Chen Ziming (derzeit unter Hausarrest) sowie mit Wang Juntao, der in den USA im Exil lebt. Am 3. Juni 1989, wenige Stunden vor dem Massaker auf dem Tian'anmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) wurde Gao Yu festgenommen. Am 28. August 1993 entließ man sie zwar aus gesundheitlichen Gründen, aber schon im Oktober desselben Jahres wurde sie erneut inhaftiert. Im November 1994 wurde Gao Yu zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Man beschuldigte sie "Staatsgeheimnisse an Personen außerhalb des Landes weitergegeben zu haben".

Gao Yu ist schwer herzkrank. Sie leidet zudem an der Menièrschen Krankheit, einer schweren Innenohr-Erkrankung mit Schwindelanfällen und Erbrechen, die zu Bewußtlosigkeit und dem Verlust des Hörvermögens führen kann. Ein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung Anfang 1997 wurde abgelehnt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte telefonisch an: (030) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
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