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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 12.3.98

Türkei:

Plädoyers im Prozeß um den Mord an Metin Göktepe

Anwälte der angeklagten Polizisten bezeichnen gesamtes Verfahren als unrechtmäßig Urteilsverkündung am kommenden Donnerstag

Im Prozeß um den Mord an dem türkischen Journalisten Metin Göktepe haben heute die Verteidiger der elf beschuldigten Polizisten ihre Pädoyers abgegeben. Sie bezeichneten das Verfahren als insgesamt unrechtmäßig, weil ihre Mandanten als Staatsdiener nicht unter die Zuständigkeit des Gerichts fielen. Zudem erhoben sie erneut den Vorwurf, den Angeklagten seien Aussagen unter Folter abgepreßt worden, ohne aber Belege für diese Behauptung vorzulegen. Von den elf Angeklagten befinden sich fünf in Untersuchungshaft.

Der Anwalt von Metin Göktepes Familie, die als Nebenkläger auftritt, erklärte dagegen, der Tod des Journalisten sei kein Unfall gewesen, sondern von den Beamten planmäßig herbeigeführt worden. Göktepes Mutter gab der Hoffnung Ausdruck, das Gericht werde das Verfahren nicht - wie in vergleichbaren Fällen der Vergangenheit - ohne eine wirkliche Aufklärung der Vorgänge abschließen.

Die für den Polizeiensatz am 8. Januar 1996 verantwortlichen Vorgesetzten der Angeklagten mußten sich auch heute nicht vor Gericht erklären. Metin Göktepe, Reporter der prokurdischen Zeitung Evrensel, hatte über die Beerdigung von Häftlingen in Istanbul berichtet, die bei einer Gefängnisrevolte getötet worden waren. Er wurde verhaftet und in der Nacht von Polizisten zu Tode geprügelt.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten rund 100 Menschen für die Bestrafung der Schuldigen. Der nächste Prozeßtermin, an dem die Urteilsverkündung erwartet wird, ist für Donnerstag, den 19. März, angesetzt. Reporter ohne Grenzen war auch an diesem 15. Prozeßtag mit einer Beobachterdelegation vertreten und wird das Verfahren bis zu seinem Abschluß weiter begleiten.

Für weitere Informationen: Tel. (030) 615 85 85

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