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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 3.3.98

Dunkle Zeiten in Nigeria

Reporter ohne Grenzen protestiert in einem Offenen Brief an Präsident Sani Abacha

Während die Regierung "demokratische" Wahlen vorbereitet, ist ein Journalist ermordet worden, einem weiteren droht die Todesstrafe

Die internationale Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat in einem Offenen Brief an General Sani Abacha gegen die ununterbrochenen Angriffe auf die Pressefreiheit in dem westafrikanischen Staat protestiert. Grund für den erneuten Appell sind der Mord an Tunde Oladepo, Chefkorrespondent der Zeitung The Guardian, und das drohende Todesurteil gegen Niran Malaolu, Herausgeber von The Diet. "Die unabhängige Presse Nigerias erlebt ihre dunkelste Zeit", heißt es in dem Brief.

Am frühen Morgen des 26. Februar drangen mehrere bewaffnete und maskierte Männer in die Wohnung des 34jährigen Tunde Oladepo ein und erschossen ihn vor den Augen seiner Frau und zweier Kinder. Die Mörder warteten nach Zeugenaussagen noch rund 30 Minuten, um sich zu vergewissern, daß ihr Opfer auch wirklich tot ist. Danach verließen sie den Tatort und nahmen ein Fernsehgerät sowie einige Kleidungsstücke mit. Beobachter vermuten einen politischen Hintergrund für die Tat: Oladepo hatte seit Juni letzten Jahres häufig anonyme Telefonanrufe erhalten.

Reporter ohne Grenzen ist zudem in großer Sorge um das Leben von Niran Malaolu. Der Journalist wurde am 28. Dezember letzten Jahres ohne Angabe von Gründen verhaftet. Am 14. Februar erhob ein Sonder-Militärgericht Anklage wegen "Hochverrat": Malaolu soll in die Umsturzpläne gegen Präsident Abacha verwickelt gewesen sein, die Ende Dezember 1997 als Grund zur Verhaftung mehrerer angeblicher Verschwörer dienten - darunter Abachas Stellvertreter General Oladipo Diya.

Der Prozeß gegen Niran Malaolu findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Das Urteil, gegen das keine Revision möglich ist, soll Mitte März ergehen. Bei einem Schuldspruch droht Malaolu die Todesstrafe. Reporter ohne Grenzen erinnert in diesem Zusammenhang daran, daß in Nigeria derzeit 13 Journalisten inhaftiert sind, darunter vier bereits 1995 zu fünfzenhnjährigen Haftstrafen Verurteilte: Christine Anyanwu, Kunle Ajibade, Ben Charles Obi und Georges Mbah. Auch sie wurden wegen Beteiligung an einer angeblichen Verschwörung verurteilt.

Der Brief schließt mit der Aufforderung,

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