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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 18. 2. 98

Sierra Leone

Reporter ohne Grenzen fordert internationale Garantien für die Pressefreiheit

Zahlreiche Übergriffe der Militärjunta gegen Journalisten in Sierra Leone müssen verfolgt, inhaftierte Journalisten freigelassen werden.

Die Ecomog-Truppen der nigerianischen Armee sind kein Garant, sondern eine Gefahr für die Pressefreiheit.

Sofort nach der Machtergreifung von Major Johnny Paul Koroma im Mai 1997 begann eine Welle von Verhaftungen, Morddrohungen und Folter gegen Journalisten, die bis kurz vor dem Sturz der Junta durch die Ecomog-Truppen anhielt.

Seit Anfang dieses Jahres wurden mindestens sechs Journalisten verhaftet, von denen nur zwei mit Sicherheit wieder frei sind.

Am 14. Januar mußten der freie Journalist Anthony Swaray und Desmond Conteh, Redakteur der Zeitschrift We Yone, ins Gefängnis. Angeblich hatten sie dem Untergrund-Radio 98.1 FM Informationen zukommen lassen. Conteh wurde am 21. Januar freigelassen, über Swarays Aufenthalt ist nichts bekannt.

Am 10. Januar wurde Sylvanus Kanyanko, Mitarbeiter des Herald Guardian, sowie sein Kollege Mohamed Kallon und der Eigentümer der Zeitung, David Koroma, festgenommen. Ein tags zuvor erschiener Artikel hatte dazu aufgerufen, wegen der unsicheren Situation im Land Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken. Kallon kam zwei Tage später frei, Kanyanko und Koroma blieben in Haft.

Seit Anfang Januar ist Martins I. Martin, Redakteur bei Business News, wegen angeblicher Spionage für die Ecomog-Truppen inhaftiert.

Über das Schicksal der Inhaftierten gibt es keine verläßlichen Informationen. Von den Ecomog-Truppen und der sie kontrollierenden nigerianischen Regierung ist Aufklärung nicht zu erwarten: Nigeria selbst gehört weltweit zu den Staaten mit den schlimmsten Übergriffen auf die Pressefreiheit.

Reporter ohne Grenzen hat die UN-Menschenrechtskommission über die Fälle informiert. Nachdem der gewählte Präsident Ahmad Tejan Kabbah wieder in sein Amt zurückgekehrt ist, muß die weitere Entwicklung durch internationale Instanzen beobachtet werden.

Wir erinnern daran, daß auch Präsident Kabbah im März 1997 drei Journalisten wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der Rebellenbewegung RUF verhaften ließ. Beobachter hatten als wahren Grund hierfür jedoch einen in der Expo-Times erschienenen Artikel vermutet, der das Vorgehen des nigerianischen Präsidenten Sani Abacha in Sierra Leone als "Gangstertum" bezeichnete.

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