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PRESSEMITTEILUNG
An den CvD / Politik / Aktuelles
Berlin, 20. 1. 98

Reporter ohne Grenzen fordert die Freilassung kubanischer Journalisten

Kuba setzt auf das Interesse der Weltöffentlichkeit am Papstbesuch - und verfolgt weiterhin die unabhängigen Pressebüros im eigenen Land.

Am 21. Januar beginnt Papst Johannes Paul II seinen viertägigen Besuch in Kuba. Ausnahmsweise darf die Kirche Informationen darüber auch in den staatlichen Medien verbreiten.

Reporter ohne Grenzen erinnert deshalb erneut daran, daß in Kuba eine freie Berichterstattung über den Papstbesuch ebensowenig möglich ist wie über irgendein anderes Thema.

Wir fordern die Freilassung von Lorenzo Paez Nuñez, Korrespondent des Buro de Prensa Independiente de Cuba (BPIC), und Bernardo Arévalo Padrón, Begründer der Agentur Linea sur Press. Die beiden Mitarbeiter unabhängiger Pressebüros sitzen seit Juli bzw. November 1997 wegen "Beleidigung" und "Verleumdung" staatlicher Organe im Gefängnis.

Lorenzo Paez Nuñez wurde am 18. Juli 1997 wegen "Verleumdung der Staatspolizei" und "beleidigenden Verhaltens" zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er einen angeblich unzutreffenden Bericht über einen Zusammenstoß zwischen Polizeibeamten und einer Gruppe Jugendlicher veröffentlicht hatte. Die Gerichtsverhandlung dauerte nur einen Tag, einen Rechtsanwalt durfte Paez Nuñez nicht hinzuziehen.

Bernardo Arévalo Padrón wurde in einer Berufungsverhandlung vor dem Gerichtshof von Cienfuegos wegen "Beleidigung" des Präsidenten Fidel Castro und des Parlamentssprechers Carlos Large zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Interview mit einem Radiosender aus Miami hatte der Journalist beide als Lügner bezeichnet und erklärt, sie würden die zum Prinzip des Pluralismus verpflichtende und von Kuba unterzeichnete Deklaration des Lateinamerika-Gipfels von 1996 nicht respektieren. Die kleinen, unabhängigen Pressebüros Kubas arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen. Seitdem sie vor drei Jahren ihre Arbeit aufnahmen, sind sie Ziel ständiger Schikanen der Sicherheitsbehörden. Vier Begründer unabhängiger Pressebüros wurden ins Exil gezwungen. Ihre im Land gebliebenen Kollegen sehen sich mit Anschuldigungen wie "kriminelle Verschwörung", "Verbreitung feindlicher Propaganda" oder "Spionage" konfrontiert. Oft genug verbringen die Beschuldigten Tage oder Wochen im Gefängnis, ohne daß offiziell Anklage erhoben wird.

In Kuba unterliegt sogar der Besitz einer Schreibmaschine der Meldepflicht. Der Besitz eines Fotokopierers oder Faxgeräts ohne staatliche Genehmigung kann mit Gefängnis bestraft werden. Der Zugang zum Internet wird streng überwacht, und selbst die staatlichen Medien unterliegen ständiger Beobachtung.

Allein die römisch-katholische Kirche darf eigene Publikationen herausgeben, für deren Herstellung sie aber auf die staatlichen Druckereien angewiesen ist. Die Auflage liegt bei höchstens 2.000 Exemplaren, die ausschließlich in kirchlichen Gebäuden verteilt werden dürfen.

Für weitere Informationen: Tel. +49 (30) 615 85 85

Reporter ohne Grenzen
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rog@snafu.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

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