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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 9. 12. 97

Kuba / Paris

Menschenrechtspreis für kubanischen Journalisten

"Ein Märchenzirkus, der von einem Land erzählt, das es gar nicht gibt."

Raúl Rivero über die offizielle Presse Kubas

Raúl Rivero, Gründer und Leiter der seit 1995 bestehenden unabhängigen Nachrichtenagentur Cuba Press erhält morgen, am 10. Dezember, den mit rund 15.000 DM dotierten Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen / Fondation de France.

Der türkische Journalist und Preisträger des Vorjahres, Osak Icik Yurtçu, wird die Auszeichnung in Paris an den kubanischen Schriftsteller Eduardo Manet überreichen. Raúl Rivero selbst kann Kuba nicht verlassen - er muß befürchten, daß die Behörden ihm die Wiedereinreise verweigern.

Mit diesem Preis werden seit 1992 am Internationalen Tag der Menschenrechte Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Pressefreiheit in ihrem Land verdient gemacht haben. Eine internationale Jury - darunter die deutschen ROG-Mitglieder Sabine Christiansen, Manfred Bissinger und Sabine Rollberg - entschied sich in diesem Jahr für den kubanischen Journalisten.

Raúl Rivero, geboren 1945 im zentralkubanischen Morrón, war 1969 einer von 21 durch die Kommunistische Partei Kubas handverlesenen Absolventen der Journalismus-Fakultät von Havanna. 1966 hatte er bereits die kritische Kulturzeitschrift Caiman Barbudo mitbegründet. Von 1973 bis 1976 arbeitete er als Korrespondent der staatlichen Nachrichtenagentur Prensa Latina in Moskau. Nach seiner Rückkehr leitete er deren Ressort "Wissenschaft und Kultur".

Heute ist Rivero einer der führenden Köpfe der unabhängigen Presse in seinem Land. 1989 trat er aus dem kubanischen Schriftstellerverband aus, zwei Jahre später unterzeichnete er den "Brief der zehn Intellektuellen", die von Staatschef Fidel Castro die Freilassung politischer Gefangener forderten. Als einziger der Unterzeichner lebt Rivero noch heute in Kuba. Der vom Regime erzwungenen Alternative "Exil oder Gefängnis" konnte er sich bislang entziehen, doch in einem Land, in dem man selbst Schreibmaschinen registrieren lassen muß, wird jeder Versuch, Presse- und Informationsfreiheit durchzusetzen, zum unkalkulierbaren Wagnis. Seit der Gründung von Cuba Press sieht sich Rivero ständig zunehmenden Repressalien ausgesetzt. "Spontanen" Demonstrationen vor seinem Haus folgten Verhöre, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen.

Auch als Schriftsteller hat sich Rivero einen Namen gemacht: Wurden seine Bücher früher mit nationalen Preisen ausgezeichnet, müssen sie heute in den USA veröffentlicht werden und sind in Kuba verboten.

Reporter ohne Grenzen erinnert am Tag der Menschenrechte auch an das Schicksal der Preisträgerin des Jahres 1995, der nigerianischen Journalistin Christine Anyanwu. Ein Sondergericht des Militärs verurteilte die Herausgeberin und Chefredakteurin der unabhängigen Wochenzeitschrift The Sunday Magazine im Juli 1995 zu lebenslanger Haft, die später in eine 15jährige Freiheitsstrafe umgewandelt wurde. Man beschuldigte sie, an einem angeblich versuchten Staatsstreich beteiligt gewesen zu sein, weil sie die Namen von 19 als vermeintliche Putschisten verhafteten Personen veröffentlicht hatte.

Reporter ohne Grenzen fordert seit Bekanntwerden ihrer Verhaftung die sofortige Freilassung von Christine Anyanwu sowie ihrer drei Kollegen George Mbah (Tell), Ben Charles Obi (Weekend) und Kunle Ajibade (The News). In einer gemeinsam mit Amnesty International und mit Unterstützung durch die IG Medien sowie den DJV durchgeführten Kampagne sammeln wir Unterschriften für einen Appell an den nigerianischen Staatschef General Sani Abacha. Informationen und Unterlagen hierzu sind bei der ROG-Geschäftsstelle erhältlich.

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