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Somalia

Der somalische Bürgerkrieg wurde in der Berichterstattung der Weltpresse im Unterschied zu anderen afrikanischen Krisenherden aufmerksam verfolgt: westliche Hilfsaktionen und Einmischungen in die politische Entwicklung des afrikanischen Staates erwiesen sich als Fehlschlag, der Einsatz der Vereinten Nationen (UNOSOM) entwickelte sich zu einem der größten Desaster in der Geschichte der UNO.

Als die englischen, französischen und italienischen Kolonialmächte ihre Gebiete am Horn von Afrika 1961 in die Unabhängigkeit entließen, schien Somalia alle Voraussetzungen für einen stabilen demokratischen Staat zu besitzen. Es gab keine ethnischen Konflikte, eine einheitliche Landessprache (Somali) und Religion (lslam) und prosperierende Wirtschaftsmöglichkeiten. Die ehemals englischen und italienischen Gebiete schlossen sich zu einem somalischen Staat unter einer demokratischen Regierung zusammen, das französische Kolonialgebiet wurde zum unabhängigen Kleinstaat Djibuti. Der erwartete wirtschaftliche Erfolg blieb allerdings aus. 1969 wurde die instabile Zivilregierung Somalias durch einen blutigen Militärputsch abgesetzt. General Siad Barre setzte sich an die Spitze des somalischen Staates, den er 22 Jahre als Diktator regierte. Somalia unter Barre orientierte sich im internationalen Blocksystem an der UdSSR, die die Entwicklung des somalischen Staates unterstützte. Differenzen mit dem ebenfalls pro-sowjetischen Äthiopien führten zu einer Annäherung an die USA.

1991 kam es zunächst zu Unruhen in einigen Teilen des Landes, dann, als es der Freiheitsbewegung erstmals erfolgreich gelang, Barre zu stürzen, zu einem Bürgerkrieg. Barre floh zunächst nach Kenia und fand schließlich in Nigeria Asyl.

Innerhalb der Bürgerkriegsparteien, die sich aus den einzelnen Clans der verschiedenen Regionen zusammensetzten, kam es schnell zu unüberwindlichen Differenzen, die zu einer Spaltung der Gruppierungen in zwei Parteien führte: in die Manifesto Group, eine Ali Mahdi Mohammad nahestehende und in eine der Somali National Alliance (SNA) von Mohammad Farrah Aideed geführte Gruppe. 1993 kam es auf Druck der Vereinten Nationen zu einem Abkommen, das vorsah, nach der Gründung von Bezirks- und regionalen Kommittees die 15 somalischen Clans in einer gesamt-somalischen Regierung, dem Transnational Council, zu vereinen. Das Abkommen scheiterte, da die Hauptclans die Kontrolle über ihre Einflußgebiete nicht zugunsten eines Parlaments abzutreten bereit waren, in dem alle politischen Kräfte vertreten waren. Im Auftrag der UNO intervenierten die Vereinigten Staaten im Dezember 1992, um durch eine Befriedung des Landes die drohende Hungerkatastrophe abzuwenden. Im Mai 1993 wurden die amerikanischen Verbände durch UN-Truppen ersetzt. Die UN-Truppen, unter ihnen zum ersten Mal auch ein deutsches Corps, trugen durch ihre in der Bevölkerung nicht erwünschte Anwesenheit und ihre rücksichtslosen militärischen Operationen sowie ihre Parteinahme zugunsten einzelner Bürgerkriegsparteien nur zur Komplikation der Lage bei. Die Waffenstillstandsvereinbarungen wurden erneut gebrochen; es gelang in keiner Weise stabilere politische oder staatliche Strukturen zu schaffen - der Einsatz kostete zahlreiche Menschenleben auf beiden Seiten. amnesty international hat in diesem Zusammenhang auch den UN-Verbänden mehrfach Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Nach einem Angriff mit amerikanischen Kampfhubschraubern, bei dem 50 Zivilisten starben, tötete die aufgebrachte Menge vier Journalisten, unter ihnen den deutschen Reporter Hans Kraus.

Bis Anfang März 1995 haben sich die letzten UN-Verbände aus Somalia zurückgezogen: Das Land bleibt wieder sich selbst überlassen. Der Machtkampf zwischen den verfeindeten Clans geht weiter, der Bürgerkrieg kann jederzeit offen ausbrechen.

Text: Angelika Altmann


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