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Pakistan

Pakistan, das "Land der Reinen", ist der erste Muslimstaat der Moderne. 1947 mit der Unabhängigkeit Britisch-Indiens als Heimstatt der indischen Muslime gegründet, war die "zweigeteilte Nation" von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Das Land bestand aus Westpakistan und einem Tausende von Kilometern entfernt am Golf von Bengalen liegenden östlichen Landesteil. Im Bürgerkrieg von 1971 brach die "zweigeteilte Nation" auseinander: Der Westteil entspricht der heutigen "Islamischen Republik Pakistan", aus Ostpakistan wurde Bangladesch.

Was die Entwicklung des heutigen Pakistans angeht, so bereitet vor allem die Bevölkerungsrate von drei Prozent Probleme. Schon heute lebt ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, verfügt nur knapp die Hälfte über ausreichende medizinische Versorgung, mehr als 30 Prozent der Kinder sind unterernährt. Gut zwei Drittel der Pakistaner können nicht lesen und schreiben. Städte, wie die Zwölfmillionen-Metropole Karatschi mit ihren Armenvierteln sind - errissen von Bandenkriegen und mit der Kalaschnikow ausgetragenem religiösen Zwist - unregierbar geworden.

Tonangebend in der Politik sind einige wenige Familien von Großgrundbesitzern wie die der Regierungschefin Benazir Bhutto. In letzter Zeit gewinnen aber, vor allem wegen der von Militärdiktator Zia ul-Haq (1977-88) betriebenen Islamisierung des Landes, Fundamentalisten an Gewicht. Zwar sind die Islamisten in den Parlamenten schwach, doch sie betreiben ihre Politik wirkungsvoll auf der Straße. Dritter Machtfaktor neben den Politikern und den Mullahs sind auch nach der Rückkehr zur Zivilregierung die Militärs.

Bei den Menschenrechten weist Pakistan eine erschreckende Bilanz auf. Laut amnesty international sind Folter und Grundrechtsverletzungen an der Tagesordung. Reporter ohne Grenzen berichtet von Angriffen, Verhaftungen und Drohungen gegen Journalisten durch alle politschen Einflußgrößen, Regierung, Parteien, Armee und Drogenbarone. Ein besonderes Problem stellt das Blasphemiegesetz dar. Auf Beleidigung des Islam steht der Tod. Ein Gesetz, das wegen der mit ihm verbundenen fragwürdigen Beweisführung zur Verfolgung religiöser Minderheiten mißbraucht wird.

Mit dem Ende des kalten Krieges hat Pakistan an Bedeutung für die westliche Geo-Politik verloren. Während der sowjetischen Invasion Afghanistans war es das Hinterland der Mudjahedin, die von den USA mit Waffen versorgt wurden. Nach Ende der amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in dieser Region rückte Washington von Islamabad ab und verlangt nun eine klare Absage an die Entwicklung von Atomwaffen. Da Pakistan aber im Dauerkonflikt mit seinem Nachbarn Indien lebt - die beiden Länder haben drei Kriege geführt - will Islamabad auf die nukleare Option nicht verzichten. Streit gibt es vor allem um das muslimische Kaschmir, das zu Indien gehört. Bis heute unterstützt Pakistan die Rebellen in Kaschmir, stehen sich dort die Armeen Delhis und Islamabads waffenstarrend gegenüber.

Text: Tomas Avenarius, Süddeutsche Zeitung, 1995


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