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Angola

Angola wird seit September 1992 von einem Bürgerkrieg verwüstet, den der Beauftragte der Vereinten Nationen im Juli 1993 - als bis zu 1000 Tote pro Tag gezählt wurden - als den "schlimmsten Krieg der Welt" bezeichnete. Es ist auch einer der längsten Kriege der Welt.

Angola war 1975, nach dem Sturz der Regierung Caetano in Portugal und einem seit 1961 andauernden Unabhängigkeitskrieg ein souveräner Staat geworden. Um die Kontrolle dieses Staates entbrannte ein Bürgerkrieg zwischen der von der sozialistisch orientierten MPLA gestellten Regierung und den Rebellen der 'Nationalen Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas' (UNITA). Die MPLA behielt zunächst die Oberhand und bildete die Regierung. Gesellschaft und Wirtschaft wurden sozialistischen Prinzipien unterworfen.

Die UNITA, von den USA und Südafrika unterstützt, fand sich mit dieser Entwicklung nicht ab. Der Krieg zog sich über fast zwei Jahrzehnte hin. Waren die beiden Lager in der Phase der heftigsten Kämpfe, zwischen 1984 und 1990, zumindest nach außen hin siegessicher, so war es Mitte 1990 offensichtlich geworden, daß keine der Seiten einen vollständigen militärischen Sieg würde erringen können. Grund hierfür war in erster Linie die veränderte Haltung der Großmächte: 1975 hatten sowohl die USA als auch die Sowjetunion das Abkommen von Alvor, das den Übergang in die Unabhängigkeit regeln sollte, unterlaufen und ihren jeweiligen Verbündeten Waffen geliefert. Jetzt, auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges, versuchten die Großmächte unter Zuhilfenahme afrikanischer Staatschefs zu vermitteln. Im Juni 1989 trafen sich der angolanische Präsident Edmondo dos Santos und der Führer der UNITA, Jonas Savimbi, erstmals am Rande der Konferenz von Gbadolite. Es begann ein schwieriger Verhandlungsprozeß, der am 31. Mai 1991 in Lissabon zur Unterzeichnung des Abkommens von Bicesse führte, das die Abhaltung freier Wahlen vor dem November 1992 und die Demobilisierung aller bewaffneter Kräfte sowie die Schaffung einer neuen nationalen Armee vorsah. Parallel hierzu hatte die MPLA innenpolitische Reformen durchgeführt und den sozialistischen Kurs der Wirtschaft zugunsten marktwirtschaftlicher Elemente aufgegeben.

In den Wahlen am 29. und 30. September errang die Regierungspartei MPLA einen entscheidenden Sieg. Internationale Beobachter erklärten die Wahlen für "frei und fair". Jonas Savimbi akzeptierte die Niederlage jedoch nicht und nahm den Kampf wieder auf. Bis Mitte 1993 hatten seine Verbände weite Teile des Landes erobert - wobei es bei der Belagerung großer Städte wie Cuito, Huambo und Menongue zu unsäglichen Grausamkeiten kam.

Die geringe Notiz, die die Weltöffentlichkeit von diesem schrecklichen Bürgerkrieg nahm, lag mit an der fast vollständigen Unterdrückung einer unabhängigen Berichterstattung durch beide Bürgerkriegsparteien. Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtet in diesem Zusammenhang von mehreren getöteten und zahlreichen verschwundenen Journalisten seit 1992.

Der Sicherheitsrat der UNO verurteilte wiederholt die UNITA als Hauptverursacher des Krieges. Nach und nach gelang es der Regierung, die UNITA in einigen Gebieten zurückzuschlagen. Der status quo ante schien wieder hergestellt. Und damit die Notwendigkeit eines weiteren Waffenstillstands: Im November 1994 unterzeichneten die Kontrahenten in Lusaka erneut ein Abkommen. Sollte sich dieser Waffenstillstand, der seither bereits mehrfach gebrochen wurde, als stabil erweisen, so werden die Vereinten Nationen eine 7000 bis 8000 Mann starke Friedenstruppe nach Angola entsenden, an der erstmals auch südafrikanische Verbände beteiligt sein werden.

Angola ist von mehr als dreißig Jahren Krieg erschöpft, das Land verwüstet. Ein stabiler Friede liegt allerdings noch in weiter Ferne.

Text: Dr. Dietmar Herz, Geschwister-Scholl-Institut München


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